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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Gehirn.

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<teht, oder er schleudert und strampft mit den Beinen, aber er beschreibtnicht wie ein Betrunkener und wie der Kleinhirnkranke im Gehen aufdem Boden eine Wellenlinie.

Zweitens hat man das kleine Gehirn mit den Geschlechtsfunctionenin Zusammenhang gebracht. Es sind einige pathologische Beobachtungeno-emacht worden, die darauf hindeuten. Serres fand, dass bei apoplek-tischen Ergüssen ins Kleinhirn, speciell in den Wurm, Erection des Peniseintritt, und er hielt dies für so constant, dass er Erection des Penis beiapoplektisehen Anfällen für ein sicheres Kennzeichen davon hielt, dassder Erguss in den Wurm stattgefunden habe. Ferner beobachtete Larrey,der berühmte Chefchirurg der napoleonischen Armee, dass ein Soldat, demin Egypten das kleine Gehirn verletzt worden war, sein Gescblechtsver-mögen verlor und ihm die Hoden atrophisch wurden. Es hat sich in-dessen diese Theorie nicht halten lassen, wesentlich wegen einer Beob-achtung, die in Paris im Hospice des orphelins gemacht wurde. EineKranke, eine gewisse Alexandrino Labrosse, die bis zu ihrem Endeder Onanie ergeben war, starb. Bei der Obduction wurde kein Klein-hirn gefunden, sondern an Stelle desselben Flüssigkeit und eine gallert-artige, halbzirkelfö'rmige Membran.

Verletzung des Wurms erzeugt bei Kaninchen, wie Eckhard nachge-wiesen hat, reichliche Absonderung von sehr verdünntem Harn, sogenann-ten Hydrurie oder wie man sich auch wohl ausdrückt Diabetes insipidus.

Ich kann das Gehirn nicht verlassen, ohne der Setschenow'schenTheorie von dem grossen Hemmungscentrum zu erwähnen. Setsehenowist der Ansicht, dass sich in den unteren Theilen der Sehhügel, dann inden Corpora quadrigemina und zum Theil auch noch im obersten Endeder Medulla oblongata ein grosses Centrum befinde, von dem Hemmungs-nerven ausgehen, welche die Auslösung von Reflexbewegungen erschweren,beziehungsweise hindern können. Die Versuche, welche er anstellte, umseine Lehre zu erweisen, sind folgende. Er macht einem Frosche zuersteinen Schnitt, durch den er die Hemisphären an ihrem hinteren Ende querdurchschneidet, so dass er den grössten Theil derselben abtrennt. Dashat nur den Zweck, dass das Thier keine willkürlichen Bewegungen inder Weise wie ein unversehrter Frosch mache. Ein solcher Frosch lässtdie Beine herunterhängen. Nimmt man mit wenig Schwefelsäure angesäuertesWasser (nur so, dass es sauer schmeckt) und hängt die eine Pfote hinein,so zieht er sie nach einigen Secunden heraus. Die Zahl derselben notirtman. Dann schneidet man dem Frosche das Gehirn im oberen Theileder Medulla oblongata ab, und macht man jetzt denselben Versuch, sofindet man, dass er dann nach kürzerer Zeit das Bein herauszieht, dassalso die Reflexbewegung leichter ausgelöst wird. Man muss sich hier dasAuslösen der Reflexbewegung in einer Weise denken, wie wir es späternoch häufig kennen lernen werden, durch sogenannte Summirung der Reize:dadurch, dass ein schwächerer Reiz längere Zeit einwirkt, summiren sichdie Wirkungen, so dass endlich die Reflexbewegung ausgelöst wird. Wenndie Beflexbewegung leichter erfolgt, so ist die Zeit, welche zu ihrer Aus-lösung erforderlich ist, kürzer, weil die zu erzielende Reizsumme kleinerist. Jetzt nimmt er einen anderen Frosch und macht diesem einenSchnitt zwischen die Sehhügel und Vierhügel und bringt Kochsalz auf dieSchnittfläche. Vorher hatte er die Zeit notirt, nach der er nach Ab-

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