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Gehirn.
genügte, aber die, welche ihren Weg durch die Hemisphären nehmenmussten, gingen verloren und mit ihnen die bewusste Vorstellung. Esfragt sieh nun, was geschieht, wenn z. B. das Centrum für die Muskelndes Vorderbeines ausgeschnitten wird. — Dann tritt keine vollständigeLähmung des Vorderbeines der anderen Seite ein, sondern es wird nochbewegt, und zwar beim Laufen ähnlich wie das andere, nur mit wenigerSicherheit. S. Exner hat experimentell nachgewiesen, dass Theile, derenBewegung im Leben doppelseitig combinirt ist, auch von der Hemisphärederselben Seite erregt werden können. So erhielt er bei Kaninchen vonder Hirnrinde aus nicht nur Bewegung der Pfote der anderen Seite,sondern auch Bewegung der Pfote derselben Seite. Dies geschah selbstnoch nach Durehschneidung des Balkens.
Daraus und aus den vom Hirnstamme ausgehenden Erregungen er-klärt es sich, dass ein so operirter Hund noch mit allen vier Beinenläuft. Aber das Thier hatte keine klare Vorstellung mehr von der Lagedes einen Vorderbeines. Wenn man das Vorderbein der nicht golähmtenSeite in irgend eine ungewöhnliche und unbequeme Lage brachte, sosetzte der Hund das Bein in die gewöhnliche Lage. Wenn man diesdagegen mit dem anderen Vorderbeine that, so Hess es der Hund darin,und erst bei einer zufälligen Bewegung wurde es später wieder in einegewöhnliche Lage zurückgebracht. Ganz ähnliche Erfahrungen hat Noth-nagel an Kaninchen gemacht, nachdem er die der Stelle (-j- +) ent-sprechende Partie durch Injection von concentrirter Chromsäure zerstörthatte. Merkwürdig ist es, dass in seinen Versuchen die Störung nurwenige Tage dauerte, während sie bei Hitzig's Versuch noch nach28 Tagen bestand. Die durch Chromsäure zerstörte Partie konnte nichtwieder funetionsfähig geworden sein. Es musste sich also auf einemanderen Wege ein Rapport zwischen Empfindung und Bewegung herge-stellt haben. Die Wechselwirkung zwischen beiden findet ja auch imnormalen Zustande nicht stets auf dieselbe Weise statt. Wir stellen unsvor, dass die Bewegung unserer Glieder auf zweierlei Weise regulirt wird:erstens durch refleetorische Vorgänge, bei welchen von der Kette derUrsachen und Wirkungen, welche abläuft, nichts zum Bewusstsein kommt,und zweitens durch bestimmte willkürliche Impulse, bei welchen dieGlieder absichtlich hierhin und dorthin bewegt werden, und das würdendie Bewegungen sein, die hier ganz an der Oberfläche des Gehirns, indem grossen Projectionsfelde, um mit Meynert zu reden, vermittelt undausgelöst werden.
Es haben diese Versuche einigermassen einen Schlüssel zu eineranderen räthselhaften Erscheinung gegeben, die man vor längerer Zeitbeobachtet hat, nämlich der Erscheinung der Aphasie. Man hatte beob-achtet, dass manche Individuen nach plötzlichen Anfallen oder auch beiallmälig fortschreitenden Erkrankungen in einen Zustand kommen, beidem sie zwar ihr Bewusstsein haben, bei welchem auch ihre Zunge nichtgeradezu gelähmt ist, da sie sie noch bewegen, in dem sie aber dochnicht sprechen können. Wenn sie etwas sagen wollen, bringen sie esnicht heraus, gibt man ihnen aber ein Papier, so können sie es bisweilennoch aufschreiben. Bouillaud und nach ihm andere Aerzte haben beob-achtet, dass diese sogenannte Aphasie im Zusammenhange mit Störungen,namentlich mit linksseitigen, im Vordertheile des Grossgehirns vorkommt,