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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Motorische Nerven.

mit dem Muskel nocb im Zusammenhange blieb; dann borte der Tetanusnicbt auf.

Dieser Tetanus beim Oeffnen von constanten Strömen, die den Ner-ven längere Zeit durchflössen haben, zeigt, dass die Veränderung, die imNerven hervorgebracht wird, nicht plötzlich aufhört, sondern dass ereinige Zeit braucht, um zur Norm zurückzukehren. Dieser Oeffnuno-s-tetanus kann sofort aufgehoben werden, wenn ich den Strom wieder her-stelle, weil dann die Ursache desselben aufgehoben ist, er wird aber ge-steigert, sobald ich einen Strom in entgegengesetzter Richtung durchsende,weil dieser Strom die Anordnung der Moleküle umzukehren sucht und sodie Ursache vermehrt, die die Erregung hervorrief. Nun ist aber dasStadium, in dem der Muskel zuckt, nur ein Theil des Stadiums, inwelchem der Rückgang in den früheren Zustand stattfindet. Wenn derMuskel aufhört zu zucken, so ist der Nerv noch nicht zu seiner Normzurückgekehrt, sondern die Veränderungen, die in ihm vorgehen, sindnur nicht stark genug, um eine Zuckung im Muskel hervorzurufen. Dasser dann noch im veränderten Zustande ist, zeigt sieb, wenn man ihn mitauf- und absteigenden Strömen untersucht. Leitet man einen Strom inderselben Richtung hindurch, in der der frühere eirculirte, so zeigt sichder Nerv relativ unempfindlich, leitet man aber in entgegengesetzter Kick-tung von dem früheren einen Strom durch den Nerven, so zeigt er sichrelativ empfindlich. Dies war eine wesentliche Quelle der paradoxen Er-scheinungen, die man früher, ehe man diese Verhältnisse kannte; wahr-genommen und nicht zu erklären wusste.

Man muss den Satz Pflüger's, die Zuckung entstehe durch das Ent-stehen des Katclectrotonus und durch das Vergehen des Anelectrotonus,als die Auslegung eines schon früher von du Bois aufgestellten Gesetzesansehen. Dieses sagt, dass nicht der ruhig fliessende Strom als solcherdie Zuckung auslöst, sondern dass die Erregung beim Ansteigen und Ab-fallen des Stromes entsteht, und dass die Erregung um so stärker ist,ceteris paribus, je schneller der Strom ansteigt oder abfallt. Es entstehtalso eine Erregung beim Schliessen und Oeffnen des Stromes, es entstehtaber auch eine Erregung, wenn während des Durchfliessens des Stromesdieser plötzlich zunimmt oder plötzlich abnimmt. Kurz, es entsteht eineErregung unter denselben Umständen, unter welchen in einen benachbartengeschlossenen Leiter ein Inductionsstrom inducirt worden wäre. DieseErregung entsteht, wie wir durch Pflüger's Versuche gelernt haben,dadurch, dass entweder irgendwo ein Katelectrotonus entsteht oder sichsteigert, oder ein Anelectrotonus vergeht oder' doch plötzlich auf einenviel geringeren Grad abfallt. Daraus, dass es der elektrische Strom nichteigentlich als solcher ist, der unmittelbar die Muskelzusammenziehunghervorruft, sondern dass es der entstehende Katelectrotonus oder der ver-gehende Anelectrotonus ist, wird sich eine untere Grenze in Bezug auidie Stromdauer für das du Bois'sche Gesetz ergeben, d. h. wenn einStrom eine allzu kurze Dauer hat, so wird er, wenn er auch plötzlichansteigt und wieder abfällt, doch keine Zuckung hervorbringen, weil dieZeit für das Entstehen des Electrotonus nicht vorhanden ist. Man darfnicht sagen, weil die Zeit für die vollständige Entwickelung des Stromesnicht vorhanden, denn wir wissen, dass der Strom sich in Leitern vonsolchen Dimensionen, wie die sind, mit denen wir es zu thun haben, mit