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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Nerven.

uns eine Empfindung verursachen. Man sieht leicht ein, dass dies nur inden centralen Verbindungen begründet ist, welche die' centripetalleitcndcnBahnen, von denen wir sprechen, eingehen. Sind die Verbindungen der-art, dass die Erregungen in diejenigen Thcilc des Gehirns fortgepflanztwerden, die uns bewusste Empfindungen und Vorstellungen zubringen sosagen wir, dass die Erregung dieser Nerven uns eine Empfindung ver-ursache. Findet aber im Ccntralorganc die Uebortragung einfach auf eineeentrifugale Bahn statt, ohne dass die Kette der Veränderungen durchsolche Theile abläuft, in welchen für uns die Quelle bewusstor Empfin-dungen zu suchen ist, so wird eine Reflexbewegung oder Rofloxabscm-derung erzeugt, ohne dass uns daraus eine bewusste Empfindung erwächst.

Es können im Centralorgane nicht nur Erregungen übertragen werdenvon centripctalcn auf eentrifugale Bahnen, sondern es können auch Er-regungen übertragen werden auf andere Nervenclcmcntc, welche mit an-deren centripctalcn Bahnen in Verbindung stehen. Da aber diese Erre-gungen ganz ähnliche Folgen haben, als wenn die centripctalcn Bahnen,mit denen diese Elemente in Verbindung stehen, erregt worden wären,so entsteht dadurch eine Empfindung, die anscheinend ihre Ursache andem peripherischen Ende eben jener centripctalcn Bahnen hat, und einesolche Empfindung bezeichnen wir mit dem Namen der Mitempfindung.

Im Ohre verzweigt sich ein kleiner Ast des Vagus, der Ilamus auricu-laris nervi vagi. Von diesem gehen einige Fäden in den tiefsten Theildes äusseren Gehörgangs. Wenn man mit einem Federbart oder einemzusammengedrehten Papiere immer tiefer und tiefer in den äusserenGohörgang hineinbohrt, so spürt man endlich, wenn man an eine bestimmteStelle kommt, ein Kitzeln im Kehlkopfe. Dann ist die Erregung auf Ele-mente im Centralorgane übertragen worden, die mit dem Nervus laryngeussuperior, dem Empfindungsnerven des Kehlkopfes, in Verbindung stehen,und daher fühlt man das Kitzeln im Kehlkopfe. Es dauert aber nicht Ilange, so tritt auch Husten ein. Dieser ist eine Reflexbewegung. Inunserer Vorstellung ist es so, als ob wir husten müssten, weil wir Kitzelnim Kehlkopfe fühlen, weil der gewöhnliche Angriffspunkt für die lleflex- jbewegung des Hustens in der Kehlkopfschlcimhaut ist: in der Thal istaber die wahre Ursache der Reflexbewegung, die ausgelöst worden ist,hier die Erregung des Ramus auricularis nervi vagi. Diese hat uns eine IMitempfindung im Laryngeus superior verursacht und in zweiter Reihe, 5indem der Reiz auf Elemente übertragen worden, die mit motorischenBahnen in Berührung stehen, Husten als Reflexbewegung ausgelöst.

Es können endlich weiter, wenn Erregungen auf motorische Centrenübertragen sind,, diese sich in denselben ausbreiten, und es können dadurchBewegungen, die wir nicht die Absicht haben hervorzurufen, entstehen.Wenn wir z. B. die Hand auf den Tisch legen und einen Finger nachdem andern aufzuheben suchen, so finden wir, dass uns dies das ersteMal nicht ganz gut gelingt, dass wir den einen oder andern Finger, der Inicht mitgehoben werden sollte, mitaufheben, bis einige Uebung uns nach jund nach dazu bringt die Finger vollkommen isolirt zu bewegen. Dies Iist eine Erfahrung, die bei allen Kindern gemacht wird, die Clavier-spielcn lernen, indem sie Schwierigkeifen haben die Bewegungen der IFinger zu isoliren, es aber später ganz gut lernen. Dergleichen Bewe-gungen^ deren Ursachen unwillkürlich von einem motorischen Contrum