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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Nerven.

Ende des Nerven einen zweiten Multiplicator anbringt, so dass der Newauch am andern Ende mit Längsschnitt und Querschnitt berührt, tretenauch am zweiten Multiplicator dieselben Erscheinungen, wie an dem erstesauf. Jedesmal wird, wenn der Strom in der abgeleiteten Strecke gleich-gerichtet ist mit dem in der erregten, die Ablenkung der Magnetnadelzunehmen, wenn das Umgekehrte der Eall ist, wird die Ablenkung derMagnetnadel abnehmen. Also auch hier wird ganz gleichmässig nachbeiden Seiten hin, nach aufwärts und abwärts nach der natürlichen Lao'edes Nerven, die Veränderung fortgepflanzt, die durch den elektrischenStrom hervorgebracht wird. Die Stärke des Elektrotonus hängt wesentlichvon zwei Momenten ab. Erstens von der Stärke des durehfliessendenStromes und zweitens von der Länge der durchftossenen Strecke, so dasser mit dieser zunimmt. Die Erscheinungen des Elektrotonus zeigen sichferner am stärksten in der Nähe der durchflosscncn Strecke und nehmenvon da an mit zunehmender Entfernung ab.

Functionelle Verschiedenheiten der Nerven.

Es tritt die Frage an uns heran, was für verschiedene Arten vonNerven es gibt und wie sich dieselben von einander unterscheiden. Esmuss schon bei oberflächlicher Betrachtung auffallen, dass zwei sehr wesent-lich verschiedene Thätigkciten existiren, die eine, bei der Eindrückevon aussen aufgenommen werden, die uns Empfindungen verursachen,und die andere, bei der Erregungen vom Ccntralorgane zu den Muskelnhingehen, durch die letztere zur Contraction bestimmt, durch die lie-wegungen ausgelöst werden. Erst durch die fast gleichzeitigen Bemü-hungen von Charles Bell und Magendie hat man die eine Arf derNerven, die Bewegungsnerven, von der andern Art, den Empfindunga*nerven, unterscheiden gelernt. Bell fand nämlich zuerst auf dem Wegeder Beobachtung und Induction, dass diejenigen Hirnnerven, welchevorderen Bückenmarkswurzcln entsprechen, indem sie wie diese ohne einWurzelganglion entspringen und aus Thoilen hervorgehen, welche ahFortsetzungen der vorderen grauen Substanz des Bückenmarks erscheinen,motorische Nerven sind; dass dagegen diejenigen Hirnnerven, die miteinem Wurzclganglion entspringen und sich analog den hinteren Wurzelnder Bückenmarksnerven verhalten, sensible Nerven sind, und er sehlossdeshalb, dass die vorderen Bückenmarkswurzeln motorische und diehinteren Bückenmarkswurzeln sensible Wurzeln der Nerven seien. Inder Hauptsache zu demselben Resultate gelangte Magendie auf demWege des direeten Versuches. Aber auch Johannes Müller hat nochwesentlich mit zur Begründung und Befestigung des BcH'schcn Gesetzesbeigetragen, indem er die Versuche, die Magendie an Säugcthierenangestellt hatte, zuerst an Fröschen anstellte, wo sie ein viel klareresund unzweifelhafteres Resultat ergaben als bei den Säugcthieren. J. Müller ädurchschneidet auf einer Seite die sämmtlichen hinteren Wurzeln der- |jenigen Bückenmarksnerven, welche zu den unteren Extremitäten des IFrosches gehen. Dann ist die betroffene Extremität vollkommen empfm- |dungslos. Sobald aber das Thier sich ein wenig erholt hat, bewegt es Idiese Extremität wieder ebenso wie die andern. Er durchschneidet nun Iauf der andern Seite von den sämmtlichen Nerven, die zur hinteren IExtremität gehen, die vorderen Wurzeln und lässt die hinteren unver- I