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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Allgemeines.

Eher kann man vermuthen, dass sie an irgend einem der "Wurzel näherHegenden Orte endigen, denn nach Schwalbe sind im Allgemeinen diedickeren Fasern der Wurzeln für einen längeren "Verlauf bestimmt, diedünneren für einen kürzeren.

Von den marklosen Nervenfasern gibt es wiederum verschiedeneFormen. Erstens gibt es solche, welche entweder rundlich oder plätt-gedrückt sind, und auf welchen man von Stelle zu Stelle längliche Kernefindet. Das ist die erste Form von allen embryonalen Nervenfasern undzugleich kommen sie, wie gesagt, selbst im Extrauterinleben an Stellenvor, wo man später markhaltige findet. Wenn man den harten Gaumeneines neugebornen Kindes untersucht, so findet man dort eine grosse Mengevon Fasern mit länglichen Kernen, so dass man bei dem ersten Anblickeglaubt, man habe es mit glatten Muskelfasern zu thun. Verfolgt mandiese aber weiter, so sieht man, dass sie in Stämmchen zusammenlaufenund den Charakter der Nerven an sich tragen. Vergleicht man damitden Gaumen eines Erwachsenen, so findet man an ihrer Stelle markhaltigeNervenfasern, indem sie später eine Markscheide erhalten haben.

Andere Arten von Nervenfasern, die man mit dem Namen der mark-losen varicösen Fasern bezeichnet, gleichen einem dünnen Faden, dervon Stelle zu Stelle kernartige Anschwellungen hat. Noch andere sindmehr oder weniger drehrund oder abgeplattet, bald gröbere und baldfeinere Fäden, die entweder parallel ncbencinanderlaufen oder sich dicho-tomisch verzweigen. Man sieht also, dass diese Arten von Nervenfasernnichts Charakteristisches haben. Man kann also auch einer solchen mark-losen Nervenfaser unter dem Mikroskope nicht ansehen, ob sie eine Ner-venfaser ist oder ob sie keine Nervenfaser ist. Ganz anders verhält es sich,wie wir gesehen, mit den markhaltigen. Diese kann man durchaus mitkeinem andern Gewcbsclcmentc verwechseln, und wenn man deshalb unterdem Mikroskope Fasern hat, von welchen man Verdacht schöpft, dass siemarklose Nervenfasern seien, so kann man die Gewissheit hierüber nurdadurch erlangen, dass man sie zu verfolgen sucht bis zu ihren Verbin-dungen mit einer markhaltigen Faser.

Diese marklosen Nervenfasern sind eben äusserst blass und äusserstschwer in den Geweben zu sehen, und man hat deshalb verschiedenekünstliche Hilfsmittel angewendet, um sie in den Geweben noch sichtbarzu machen. Nun hat man gefunden, dass sich mittelst Goldchlorid dieNerven eigentümlich violett färben lassen, und man hat deshalb dieseviolette Färbung in den Organen vielfältig benützt, um in denselbennoch Ncrvenvei-bi'eihingen sichtbar zu machen, die man ohne weiterePräpafation nicht mehr sehen kann. Da diese Färbung mit Goldchloridauf einem Ilednctionsprocessc beruht, und nicht blos Nervenfasern, sondernauch andere Gebilde sich färben, so kann man den Satz, dass sich Ner-venfasern mit Goldchlorid färben, nicht ohne Weiteres umkehren undnicht sagen, das^was lucirTnit Goldchlorid färbt, ist Nervenfaser; sondernman muss immer suchen, die Nervenfasern nach rückwärts zu verfolgenund ihre Verbindungen mit markhaltigen Fasern nachzuweisen: erst dannhat man die Uebcrzeugung, dass man es mit markloscn Nervenfasernund nicht mit anderen Gcwebselemcntcn zu thun habe.

Man war früher der Meinung, dass die Nervenfasern ungethcilt vonihrem Anfange bis zu ihrem Ende verlaufen. Das kam daher, dass man