Nervensystem.
Die Nervenfasern haben eine sehr verschiedene Dicke. Die dickstenkommen bei den Fischen vor. So hat der Zitterwels, Malapterurus elec-tricus, zu jeder Seite eine einzige Nervenfaser für das ganze- elektrischeOrgan. Diese entspringt als ein sehr dicker Axencylinder, der sich miteiner ebenso dicken Scheide umgibt und sich nun nach und nach so lan°-edichotomisch theilt, bis er das ganze Organ versorgt hat. Eine anderesehr dicke Faser liegt bei den Fischen jederseits im Bückenmarke, in demsie von oben nach abwärts verläuft: Diese Faser hat man auch mit demNamen der colossalen Faser bezeichnet. Von den Nervenfasern, welchein den Nervenstämmen vorlaufen, sind im Allgemeinen die motorischendicker als die sensiblen; vorherrschend dünne Fasern verlaufen im Grenz-strange des Synipathicus.
Ausser diesen markhaltigen Nervenfasern gibt es nun noch niark-lose, also Fasern, die aus einem Axencylinder, mit oder ohne eine Hin-gehende Scheide, bestehen. Als Remak diese marklosen Fasern zuerst imSynipathicus auffand, da war man geneigt, sie für eine eigene Art vonNervenfasern zu halten, und man bezeichnete sie mit dem Namen dergrauen Fasern, im Gegensatze zu den gewöhnlichen oder markhaltigenFasern. Die markhaltigen Fasern sind weiss wegen des stark licktbre-ehenden Markes, welches in ihnen enthalten ist, und wegen der starkenReflexion, die dieses Mark bedingt. Deshalb ist die weisse Substanz desGehirns weiss und die weisse Substanz des Rückenmarkes weiss.. Diegraue Substanz des Gehirns und Rückenmarkes, ist deshalb dunkler gefärbt,weil sie eben diese markhaltigen Fasern nicht oder doch nur in geringerMenge enthält, weil sie aus zelligen Elementen und aus marklosen Fasern,Blutgefässen u. s. w. besteht. So erschienen nun auch diese marklosenFasern da, wo sie in grösserer Masse zusammenliegen, dem blossen odernur mit der Loupe bewaffneten Auge grau, im Verhältnisse zu den ent-schieden weissen markhaltigen Fasern, und deshalb hat man ihnen denNamen der grauen Fasern gegeben. Man hat aber später eingesehen, dassdies überhaupt keine eigene Art von Nervenfasern ist, und dass man dieNervenfasern im Allgemeinen nicht einthoilen kann in markhaltige undmarklose Fasern, weil ein und dieselbe Nervenfaser marklos entspringenkann, nämlich als nackter Axencylinder, dann markhaltig wird, indem siesich mit einer Markseheide umgibt, und endlich in ihrer peripherischenAusbreitung wiederum marklos wird, weil sie die äussere Scheide verliertund der Axencylinder sich noch weiter verzweigt. Ja, manche Artenvon Nervenfasern sind selbst im Extrauterinleben, in der Kindheit, nochmarklos, während sie sich doch in einer späteren Zeit mit einer Mark-scheide umgeben.
Mit diesem Allen soll indessen keineswegs gesagt sein, dass es nichtNervenfasern gebe, die das ganze Leben hindurch von ihrem Ursprüngean bis zu ihrer peripheren Endigung marklos bleiben. L. KönigsteinTand in den Aesten und in der Wurzel des N. trigeminus sehr feinemarklose Fasern, die in ihrem Aussehen und in ihrem Verhalten ganzsolchen glichen, wie er sie in den Hornhautästen aus der Theilung mark-haltiger Nervenfasern hervorgehen sah, und doch Hess es sich nicht wahr-scheinlich machen, dass diese marklosen Fasern ausserhalb des Centralorgansirgendwo mit markhaltigen in Verbindung gestanden hätten. Es ist hiermitnicht gemeint, dass diese dünnen marklosen Fasern zur Cornea verlaufen.