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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Gehirn.

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sehr wohl dieselbe Beflexbewegung ausgelöst werden, während möglicherWeise von der Empfindung gar nichts zum Bewusstsein gelangt. Den-selben Maassstab müssen wir bei der Beantwortung der Präge anlegen,ob das Thier sieht. Es ist sicher, dass die Pupille auf Lichtreize nochrcagirt. Wir werden später sehen, dass dies ganz natürlich ist, weilder Beflexherd zwischen Opticus und Oculomotorius im Mesencephalonliegt, und wir dem Thiere nur die Hemisphären dos Grosshirns genommenhaben. Das Thier folgt nach Longct's Versuchen den Bewegungen einerbrennenden Kerze, die man im Dunkeln vor seinen Augen bewegt, undhieraus hat man geschlossen, dass das Thier sehe. Nach der Ausdehnungaber, die wir an den Befiexacten kennen, können wir diese Bewegungenauch als einen blossen Beflexact ansehen. Wir wissen daraus keines-wegs, ob das Thier eine wirkliche, bewusste Gesichtsempfindung habe.

Ebenso verhält es sich mit den Gehörsempfindungen. Das Thierschrickt bei einem plötzlichen Geräusche zusammen, dies ist aber wiederals ein blosser Beflexact zu erklären. Ich glaube ferner, an jungenHühnern, die schon seit längerer Zeit operirt waren, und die ich wiederan freiwillige Nahrungsoinnahmc zu gewöhnen suchte, bisweilen bemerktzu haben, dass das Thier leichter nach dem Butter zu stosson, leichterzu fressen hegann, wenn ihm die Körner mit Geräusch vorgeworfenwurden, als dann, wenn man ihm das Butter leise hinschob. Man könntedas als Folge einer bewussten Gehörsempfindung ansehen. Man musssich aber sagen, dass es auch hier nicht festgestellt ist, dass dem Thiereetwas von den Zwischengliedern, die hier zwischen der Gehörsempfindungund dem Aufpicken der Körner lagen, zum Bewusstscin kommt, sonderndass sich nur eine natürliche Kette von der Ursache zur Wirkungzwischen diesen beiden Erscheinungen hergestellt hat. Die Geruchs-empfindung ist nach allen gut angestellton Versuchen vollständig ver-loren gegangen. Magendio fand freilich, dass die Thiere noch zurück-wichen, wenn ihnen Essigsäure oder Aetzammoniak vorgehalten wurde.Diese wirken aber nicht blos auf den Olfactorius, sondern auch auf denTrigeminus, indem sie sehr heftige Gefühlsempfindungen und Beflexevom letzteren aus auslösen. Wenn also das Thier sich davon abwendete,so beweist dies nicht, dass ihm noch Empfindungen vom Olfactorius zu-kamen. Ueber Geschmacksempfindungen existiren keine Versuche, dieein sicheres Besultat ergeben haben. Auf die Bewegungen äussert dieAbtragung der Hemisphären des Grossgehirns je nach der Art des Thiereseinen verschiedenen Einfluss. Wir haben Frösche ohne Hemisphären desGrossgehirns sich ebenso bewegen sehen wie andere. Wir haben beimHuhne Aehnliches gesehen. Menschen dagegen werden oft in Folge ver-hältnissmässig unbedeutender Verletzungen einer Hemisphäre hemiplektisch,und zwar stets so, dass die gelähmte Seite diejenige ist, auf welcher sichdie gesunde Hemisphäre befindet. Wir werden später noch sehen, welcheFartie der grauen Hirnrinde bei diesen Hemiplegien die Hauptrollospielt. Ausserdem macht nach Meynert Zerstörung des Linsenkernsimmer und unter allen Umständen hemiplektisch, und wir werden spätersehen, dass dies nicht nur in Meynert's aus anatomischen Thatsachengeschöpften Anschauungen und in seinen Leichenbefunden, sondern auchin den von Nothnagel an Thicrcn angestellten Versuchen seine Be-gründung findet.