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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Urzeugung.

Wenn wir aber in die Nähe eines warmen Ofens oder in die Nahe einesFeuers kommen, so nehmen wir diese Dinge nicht allein durch das Gesichtwahr, sondern auch durch die Strahlung, welche unsere Haut trifft. Danun von allen Körpern Strahlungen ausgehen, und zwar nicht blos, wennsie beleuchtet sind, sondern auch im Dunkeln, aber eben Strahlungen, diewir nicht sehen, sondern Strahlungen von dunklen Wärmestrahlen, so istes, wenn wir uns die Empfindlichkeit von Hautnerven sehr erhöht und ver-feinert denken, nicht ganz unmöglich, dass die Ausstrahlungen der Körperals solche von Thieren empfunden werden, und dass sie dadurch geleitetwerden, dieselben zu vermeiden.

Freilich setzt dies eine Schärfe des Unterseheidungsvermögens voraus,von welcher unter uns Mensehen selbst der Empfindlichste keine Vor-stellung hat: aber haben wir denn eine Vorstellung von der Feinheit desGeruchssinnes eines Hundes oder eines Kehes ? Bei den Fledermäusenkommen ausserdem sehr ausgebreitete und zarte Hautoberfiächen vor. Zu-nächst die Hautoberfläche der Flügel mit ihren sehr zahlreichen Nerven,dann die Hautfalten auf der Nase, welche namentlich bei einem Genus,das davon den Namen Phyllostoma erhielt, zu förmlichen gefalteten blatt-artigen Fortsätzen entwickelt sind. Wenn man dies berücksichtigt, sokann man es nicht für unmöglich halten, dass vielleicht hier Eindrücke aufsehr empfindliche und in vortheilhafte Bedingungen gesetzte Tast- oderTemperaturnerven übertragen und durch diese wahrgenommen werden.Nach Jurine sollen geblendete Fledermäuse an Hindernisse anstossen,wenn ihnen jederseits der äussere Gehörgang mit Pomade oder Stärke-kleister verschmiert ist. Bei sehenden soll dies nicht der Fall sein.

Es ist sehr schwer zu urtheilen über die Frage nach dem sechstenSinn, weil wir von einem solchen uns gar keine Vorstellung machenkönnen. Alle unsere Vorstellungen stammen aus den fünf Sinnen, diewir besprochen haben, und für die Vorstellungen, die uns aus den Wahr-nehmungen eines sechsten Sinnes erwachsen könnten, fehlt es deshalb inunserem Gehirne ganz an Materiale: wir können uns eben diese Vor-stellungen nicht bilden.

Zeugung und Entwickelung.

Urzeugung.

Auf welche Weise können sich Organismen, also im AllgemeinenTbiere und Pflanzen vermehren? Da tritt uns zunächst die grosse Fragevon der Urzeugung, von der sogenannten Generatio aequivoca seu spon-tanea entgegen. Es handelt sich nicht darum, die Frage zu erörtern, obüberhaupt jemals Organismen aus unbelebten und anorganischen Dingenentstanden sind, sondern es handelt sich darum, die Frage zu erörtern,ob noch heutzutage aus unbelebten Dingen lebendige hervorgehen.

Die Generatio aequivoca hat im Laufe der Zeiten immer mehr anTerrain verloren. Im Alterthume gab man ihr die weiteste Ausdehnung.Selbst Aristoteles glaubte, dass die Baupen aus den grünen Blättern,dass die Maden aus dem Käse entstehen, ja dass gewisse Fische, die sich