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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Geschmacksempfindungen.

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selbst ist nicht mit Sicherheit beobachtet worden. Da man aber die Schmeck-becher an denjenigen Partien findet, mit welchen geschmeckt wird, da mandie Nerven zu ihnen hinziehen sieht, so ist es im hohen Grade wahr-scheinlich, dass in der That die schmeckenden Substanzen in sie eindringenund hier Gebilde erregen, die mit den Nerven im Zusammenhange stehen.Ja noch mehr. Da nach v. Vintschgau's Beobachtungen die Schmeck-becher nach Durchschneidung des N. glossopharyngeus schon in der erstenWoche dogenei'ircn, so darf man sie wohl mit einiger Berechtigung alsmit diesem Nerven functioncll verbundene Endorgane ansehen. Es ist in-dessen sehr zweifelhaft, ob sie die einzigen Geschmacksorgano sind. Sertolihat in der Papilla foliata des Pferdes mittelst Goldfärbung intraepithelialeNervenverzweigungen gefunden, von denen es ihrer geschützten Lage wegennicht wahrscheinlich ist, dass sie den Tastempfindungen dienen. Vielleichtdienen die Schmeckbccher nur einer bestimmten Geschmacksempfindung,die durch eine bestimmte Art von Nerven vermittelt wird.

Geschmacksempfindungen.

Wir haben oben gesehen, dass die verschiedenen Geschmacksempfin-dungen wahrscheinlich nicht verschiedene Erregungszustände in ein undderselben Easer sind, sondern, dass sie wahrscheinlich Erregungszuständeverschiedener Arten von Nerven sind, die miteinander in das schmeckendeOrgan eintreten. Wenn TT. Mosso und A. Adduco fanden, dass eine imMunde gehaltene Lösung von salzsaurcm Cocain für eine Weile die Ge-schmacksempfindung des Bitteren vernichtet, sie aber die des Salzigen undSüssen bestehen lässt, so müssen wir dies so deuten, dass Cocain zunächstdie Bitter empfindenden Fasern ihres Perceptionsvermögens beraubt. Wennwir fragen, welche Eigenschaft eine Substanz haben muss, um überhauptGeschmacksempfindung zu erregen, so können wir im Allgemeinen nursagen, dass sie zunächst löslich sein muss, damit sie sich überhaupt in derFlüssigkeit, welche die Zungenschleimbaut durchtränkt, verbreiten kann.Wir wissen aber, dass viele lösliche Substanzen durchaus keinen Geschmackhaben, oder dass sie wenigstens einen so unbestimmten Eindruck auf dieGeschmacksnerven machen, dass wir den Geschmack als fade bezeichnen.Mit anderen Worten, sie afficiren die Nervenendigungen nicht viel anders,als diese schon von der Mundflüssigkeit afficirt werden, mit welcher die-selben immer in Berührung stehen. In Rücksicht auf andere Substanzenaber, denen wir einen spoeifischen Geschmack zuschreiben, theilen wir denGeschmack in gewisse Kategorien ein, welche in einem gewissen Zusammen-hange mit den chemischen Eigenschafton der Substanzen stehen. Von diesenKategorien sind die am besten begrenzten die des Salzigen, dos Süssen,des Sauren, des Bitteron, und diese sind insofern an gewisse ehemischeVerbindungen geknüpft, als Reihen von unter sich verwandten chemischenVerbindungen gerade diese Geschmacksempfindungen hervorrufen. So ruftein grosser Theil der Körper, die wir Säuron nennen, uns die Geschmacks-empfindung des Sauren hervor. Die Zucker und das Glycerin, freilieh auchmehrere andere, mit diesen durchaus chemisch nicht verwandte Körperrufen uns die Geschmacksempfindung des Süssen hervor, das Chlornatriumund Chlorammonium rufen uns die Geschmacksempfindung des Salzigenhervor, und eine Reihe von organischen Basen, aber auch andere organische