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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Stereoskope.

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Damit, dass schon die beiden porspoctivisehon Ansichten, die diebeiden Augen haben, an und für sich genügen, um in unserer Vorstellungdas Körperliche aufzubauen, hängt es zusammen, dass wir, wie Heringgezeigt hat, den Eindruck des Räumlichen unter Umständen haben, wowir dem Gegenstände auch bei dauernder Beleuchtung nicht mit der Con-vergonz unserer Sohaxcn folgen können. Denken Sic sich, ich hielte einenStab in einer gleichen Entfernung von beiden Augen und drehte ihn inder Medianebenc so, dass sich mir das obere Ende nähert, das untere vonmir entfernt, so werde ich diese drehende Bewegung wahrnehmen. Ichwerde bemerken, dass sich das obere Ende des Stabes mir zudrehe, unddass das untere Ende des Stabes sich von mir entferne; und doch könnteich ja nicht gleichzeitig meine Gcsichtslinicn stark convergiren lassen, umdas nähere Ende des Stabes einfach zu sehen, und zu gleicher Zeitschwächer, um das entferntere Ende desselben einfach zu sehen. Heringhat im Stereoskop eine solche Bewegung als Scheinbewegung zu Standegebracht, indem er die Bilder eines solchen Stabes in entsprechender Weisein den Bildebenen bewegte. Auch hier kommt derselbe Effect zu Stande,auch hier hat man die Scheinbewegungen, obgleich man thatsächlich nichtgleichzeitig das eine und gleichzeitig das andere Ende des Stabes hat zurVereinigung bringen können.

Der Einfluss zweier verschiedener perspectivischer Ansichten machtsich auch geltend, wenn beide nach einander einem und demselbenAuge dargeboten werden. Wenn man unter dem einfachen Mikroskopeeine Gcfässinjecüon betrachtet, so sieht man sie körperlich, das hoisst so,wie man etwa auch ein gut gemaltes Bild körperlich sehen würde; aberder Eindruck des Körperlichen wächst und drängt sich uns mit unwider-stehlicher Gewalt auf, sobald wir das Auge hin und her bewegen unduns so nach einander verschiedene perspectivische Bilder der Injcctionverschaffen. Wir ziehen eben unbowusstc Schlüsse aus allen Sinnesein-drücken, aus welchen sie gezogen werden können, und die ganze Weltunserer Vorstellungen setzt sich aus solchen Schlüssen zusammen.

Es fragt sieh nun, was geschieht, wenn ich beiden Augen Dingedarbiete, die sie überhaupt nicht zur Vereinigung bringen können, wennich z. B. dem einen Auge im Stereoskop einen Kreis darbiete, in welchenein S gezeichnet ist, und dem andern Auge einen Kreis, in welchem einT gezeichnet ist? Dann werde ich freilich im gemeinsamen Sehfelde diebeiden Kreise zur Deckung bringen, aber die beiden Buchstaben kann ichnatürlich nicht in einen gemeinsamen Eindruck vereinigen. Nun entsteht dersogenannte Wettstreit der Sehfelder, man sieht momentan beide Buchstaben,aber schwächer gezeichnet als den umgebenden Kreis: dann verschwindetabwechselnd der eine und der andere, manchmal bricht auch der eine ent-zwei, dann der andere, so dass man von jedem derselben ein Stück sieht.

Was geschieht, wenn das eine Auge hell sieht da, wo das anderedunkel sieht? Dann hat man auch zwei Eindrücke, welche man nicht zurVereinigung bringen kann. rTehmcn wir an, ich hätte die beiden BilderA und B Figur 59. Die eine Pyramide hat schwarze Elächcn undweisse Kanten, die andere hat weisse Flächen und schwarze Kanten. Ichstocke beide in das Stereoskop, um sie zur Vereinigung zu bringen. Dannsehe ich eine graue Pyramide, die aber glänzt. Sic sieht aus, als sei sieaus Graphit geschnitten.