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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Binocuh'Lrcs .Sehen.

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die Spitze des Winkels zugekehrt ist, so machen die Strahlen, um zuden Augen m und n zu gelangen, einen Weg, wie er in Figur 56 dar-gestellt ist. Sie gelangen also zum Auge, als ob sie von dem näherliegendenPunkte K, ausgegan-gen wären. An einemDrahte befinden sichnun in K übereinan-der zwei ganz gleicheHolzschienen, die andemselben so ange-bracht sind, dass dieeine durch die Pris-men, dieandcreglcich-zeitig mit freien Augen gesehen werden kann. Dann erscheint die, welchedurch die Prismen gesehen wird, näher und kleiner als die andere. Nunkehrt man die Prismen um, so dass der Winkel gegen das Objcct hinoffen und gegen das Gesicht des Beobachters geschlossen ist. Bann er-scheint umgekehrt die durch die Prismen gesehene Schiene grösser undentfernter als die andere. Bass jedesmal die Schiene, die uns entferntererscheint, sich als die grössere darstellt, beruht darauf, dass unser Urtheilüber die Grösse eines gesehenen Objects auf Grundlage der Grösse desNetzhautbildes und der Entfernung, welche wir dem Objecto zuschreiben,gelallt wird.

Wenn wir also in der Convergenz unserer Sehaxon eine Grundlagefür das Schätzen der Entfernungen haben, so muss ja damit auch unsereganze räumliche Vorstellung und das ganze körperliche Sehen überhauptzusammenhängen. Bios ist auch in der That der Fall. Biese Grundlageverliert aber immer mehr an Sicherheit, je grösser die Entfernung wird,weil zuletzt unsere trigonometrische Basis für die zu messende Entfernungzu klein wird, und darum sind wir später, um ein Urtheil über die Ent-fernung abzugeben, auf andere Dinge angewiesen, auf die sogenannte Luft-perspective, auf die scheinbare Grösse bekannter Gegenstände, auf dieMenge der Gegenstände, welche sieh zwischen uns und den Gegenständenbefinden, deren Entfernung wir schätzen. Es stellt sich dabei heraus, dasswir, je mehr uns unser erstes Hilfsmittel und diese weiteren Hilfsmittelim Stiche lassen, um so mehr die Entfernung unterschätzen, niemals über-schätzen. Wenn man eine entfernte Gebirgskette ansieht, wenn Siez. B. auf die hoho Warte gehen und die kleinen Karpatlion ansehen, soscheint es, als ob diese Berge steil anstiegen, während sie in der Thatschwach geneigte Abhängo haben. Wenn Sie Gebirgsketten hintereinanderaufsteigen sehen, so seheinen sie, auch wenn sie meilenweit von einanderentfernt sind, eoulissenärtig hintereinander aufgestellt zu sein. Erst wennSie sich ihnen nähern, so sehen Sic, dass sie mit verhältnissmässig sanftenAbdachungen ansteigen, dass weite Thäler zwischen ihnen liegen, kurz,dass Sie grosse Entfernungen in auffälligster Weise unterschätzt haben,weil Ihnen eben die gewöhnlichen Mittel abhanden gekommen sind, ver-möge welcher wir Entfernungen schätzen.

Brücke. Vorlesungen. U. 4. Aufl.

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