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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Dioptrik des Auges.

während sie doch auf der Netzhaut umgekehrt abgebildet werden. Es gibteine grosse Menge von Theorien, die sich theils damit beschäftigen, zubeweisen, dass das umgekehrte Netzhautbild doch eigentlich nicht ver-kehrt, sondern aufrecht sei, und andere, die sich damit beschäftigten,durch welche Processe dieses umgekehrte Netzhautbild noch einmal imGehirn umgekehrt werde und nun aufrecht zum Bewussfsein komme. Allediese Dinge braucht man begreiflicher Weise nicht: denn da der Menschüberhaupt nichts von seinem Netzhautbildc weiss, so kann er auch nichtsdavon wissen, dass das Netzhautbild in seinem Auge verkehrt ist. Erkann nur ein Localzeichcn haben von etwas, das unter oder über demHorizont liegt, er kann ein Localzeichcn haben von etwas, das rechts,und von etwas, das links liegt, und da die Loealzcichen, die von der-selben Oertlichkeit ausgehen, immer wieder analoge Punkte der Netzhauttreffen, so orientirt er sich natürlicher Weise ganz consequent und ganzunbekümmert um sein umgekehrtes Netzhautbild in der Räumlichkeit derAussendinge. Johannes Müller pflegte schon zu sagen, er begreifenicht, wie man von verkehrt sprechen könne da, wo einmal Alles um-gekehrt sei, da doch dann das Kriterium für das Aufrechte abhanden ge-kommen sei.

Es fragt sich nun, wie kommt dieses umgekehrte Netzhautbild zuStande? Es kommt durch Brechung zu Stande. Die Strahlen treffenerst die Oberfläche der Hornhaut; hier werden sie am stärksten ge-brochen, weil sie aus einem sehr dünnen Medium, aus Luft, in ein ver-hältnissmässig dichtes Medium, in die Substanz der Hornhaut übergehen.Dann werden sie ein zweites Mal gebrochen, indem sie aus der Horn-haut in den Humor aqueus übergehen, der einen niedrigeren Breohungs-index hat als die Hornhaut. Dann werden sie zum Einfallslothe gebrochen,wenn sie in die Linse übergehen, so lange sie in dichtere Linsenschichtenübergehen, dann aber vom Einfallslothe, wenn sie wieder in die dünnerenSchichten derselben gelangen und endlich aus der Linse herauskommen,Der Glaskörper hat in seiner Dichtigkeit nur geringe Acnderungen, sodass man den Gang der Strahlen durch denselben als geradlinig betrach-ten kann.

Wie soll man diese verschiedenen Brechungen der Rechnung unter-ziehen.? Wir haben gewisse hergebrachte Eormeln, welche uns erlauben,mit ziemlicher Leichtigkeit die Brennweite, die Ausdehnung der Bilderund die Eigenschaften der Bilder bei sphärischen Linsen zu untersuchen.Nun haben wir aber im Auge nicht mit sphärischen Linsen zu thun, son-dern mit lauter Botationsobcrfläehcn und, wie wir später sehen werden,nicht einmal ganz reinen Rotationsoberrlächen, von Cnrvcn, die sich ammeisten Curven zweiten Grades anschliessen. Wir können uns aber dieSache einigermassen vereinfachen, wenn wir nur Strahlen berücksichtigen,die ganz nahe der Axc einfallen, um welche wir uns die optischen Mediendes Auges centrirt denken.

Xu jeder Curve lässt sich ein Kreis finden, der sie an irgend einerStelle berührt und sich an dieser Stelle möglichst langsam von ihr ent-fernt. Denken Sie sich, ich hätte an die betreffende Stelle einen berüh-renden Kreis an eine Curve a b (Figur 36) angelegt, und dieser Kreiswachse fortwährend, bleibe aber dabei immer mit der Curve in Berührung(Figur 36), so wird er eine Zeit lang bei seinem Wachsen sich noch

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