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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Untorscheulungsvcnnögen der Netzhaut.

ganzen Masse nach an zwei verschiedenen Orten liegen. Dass nur eineArt von Zellen vorhanden sei, deren Erregbarkeit zwar erhalten, derenqualitative Verschiedenheit aber unmerklich geworden sei, ist eine Vor-stellung, die zwar auch dem Falle genügen würde, die wir aber wenigerleicht durchzubilden vermögen. Die Annahme, dass in dem erwähntenFalle zwei Farben fehlten, ist nicht wohl zulässig, da der Kranke dieFarben als grau bezeichnete.

UnterscheiduiissYermösren der Netzhaut.

Wir verlassen jetzt die Erregungszustände der Netzhaut im All-gemeinen und gehen auf das Unterscheidungsvermögen über und auf dieörtliche Verschiedenheit desselben. Es ist klar, dass, da in der Netzhautnur eine bestimmte Summe von Sehnervenfasern ihre Endigung findet,jedesmal auch nur eine bestimmte Summe von Localzeichen an das Gehirnüberliefert werden kann. Wir werden also von einem gegebenen Baumedes Sehfeldes auch nur immer eine bestimmte Summe von Localzeichenbekommen können. Es wird demnach unser Unterscheidungsvermögen einegewisse Grenze haben, und wenn wir diese Grenze überschreiten, so werdendie Farbeneindrücke zusammenfliessen. Wenn wir z. B. eine Abwechslmii,'von sehr kleinen blauen und gelben Feldern haben, so werden diese Felderblau und gelb erscheinen, wenn wir sie in der Nähe ansehen. Entfernen wiruns aber weiter, wird der Sehwinkel immer kleiner, so werden sie endlichzusammenfliessen, die Farben werden sich aufheben, und wenn wir die Feldergegeneinander richtig abgepasst haben, werden wir neutrales Grau erhalten.

Es wird dies von den Malern benützt, um bei grossen Bildern, diefür einen weiten Abstand bestimmt sind, Farben durch Addition auf derNetzhaut zu mischen. So setzen sie z. B., namentlich der berühmte Land-schaftsmaler Hildebrandt bediente sich dieses Kunstgriffs, Zinnober undGrün nebeneinander, um Gelb zu erzeugen.

Es fragt sich nun, welches ist die ürenzc unseres Unterscheidungs-vermögens, und wie stimmt diese überein mit der Grösse unserer Netzhaut-elemente? Wir sind durch anderweitige Gründe dazu geführt, die Zapfenals die ersten Angriffspunkte für das Licht anzusehen. Wir müssen daherauch von vorne herein der Meinung sein, dass nur zwei Punkte neben-einander als zwei Punkte gesehen werden können, die steh auf zwei ver-schiedenen Zapfen abbilden, dass aber zwei Punkte, die so nahe bei ein-ander liegen, dass sie Beide auf einem und demselben Zapfen abgebildetwerden können, auch nur einen Eindruck geben. Diese Voraussetzungbestätigt sich auch. Wenn man mit stark beleuchteten Linien die Gesichts-schärfe untersucht, indem man zusieht, wie weit man sich von ihnen ent-fernen und sie doch getrennt sehen kann, und daraus die Abstände derNetzhautbilder von einander berechnet, so findet man, dass diese Abständemit der Breite der Zapfen übereinstimmen. Helmholtz unterschied nochzwei weisse Striche, die so weit von einander entfernt waren, dass zweigerade Linien in gleicher Höhe von der Mitte jedes dieser geraden Strichezu den correspondirenden Punkten des Netzhautbildes gezogen sich untereinem Winkel von 64 " kreuzten. Aber nicht immer und namentlich nichtan punktförmigen Bildern bewährt sich die Sehschärfe bis zu diesemGrade. Zwei Sterne, deren Wiukelabstand nicht über 60" beträgt, er-

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