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2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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Dreiwerthige Alkohole und ihre Derivate.

Glyoide.

Epiohlor-

hydrin.

auf Glycerin. Mono- und Dibromhydrin sind Flüssigkeiten, von denenerstere hei 180°, letztere bei 219° siedet. Tribronihydrin auch bei derdirecten Einwirkung von Brom auf Allylbromid oder Jodid gebildet, stelltfarblose glänzende Prismen dar, die hei 4" 16° schmelzen und bei 219 (lbis 220° sieden. Geht beim Ei'hitzen mit Cyankalium und Alkohol inTricyanhydrin über.

Sowie für das Glycerin selbst, sind auch für die Chlorhydrine mehr-fache Isomerien theoretisch möglich. In der That sind isomere Tri-chlor- undDichlorhydrine nachgewiesen und auf verschiedene Weisegewonnen. Ueber ihre Structur fehlt es aber an sicheren Anhaltspunk-ten. Bemerkenswerth aber ist es, dass nur das aus Glycerin dargestellteTrichlorhydrin sich in Glycerin zurückverwandeln lässt, seine auf ande-ren Wegen dargestellten Isomeren aber nicht.

Die Chlor- und Bromhydrine verlieren unter gewissen Bedingungen,namentlich bei der Behandlung mit Alkalien, Chlor- oder Bromwasser-stoffsäure und gehen in Verbindungen über, welche als Glycide bezeich-net werden. Eine derartige Verbindung ist

Epichlorhydrin: C 3 H 5 Cl 0. Man erhält diese Verbindung, indemman auf Dichlorhydrin Kali- oder Natronhydrat einwirken lässt:

CHjjCl

CHOII + KHO =

CH,C1Dichlorhydrin Epichlorhydrin

Man kann Epichlorhydrin als Aethylenoxyd betrachten, in welchem 1 AtomWasserstoff durch Monochlormethyl: C H 2 Cl vertreten ist.

Farblose, bei 119° siedende, dem Chloroform sehr ähnlich riechendeFlüssigkeit, welche sich mit Salzsäure unter Wärmeentwickelung wiederin Dichlorhydrin zurückverwandelt. Bei der Einwirkung von sauremschwefligsaurem Natrium liefert es eine Sulfonsäure: Chlormethylo-Isäthionsäure: CjH 7 S04.

Trichlorhydrin gieht bei der Behandlung mit Alkalien Dichlor-glycid: C 3 H 4 Cl2, welches sich durch Salzsäure ebenfalls in Trichlorhy-drin zurückverwandelt.

Mercaptane (Sulfhydrine) des Glycerins.

Die Mercaptane sind bekanntlich Verbindungen, die man als Alkoholebetrachten kann, deren Wasserrest OH durch den SchwefelwasserstoffrestSH ersetzt ist. Da aber in dem dreiwerthigen Glycerin drei Wasserresteenthalten sind, so sind Verbindungen theoretisch möglich, in welchen alledrei, oder nur zwei oder endlich nur ein Wasserrest in dieser Weise suh-stituirt erscheinen. Diese Verbindungen sind alle dargestellt und werden

CH 2 C1

i

? H > 0 + KCl -f H 2 0CH 2