Druckschrift 
2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
Entstehung
Seite
82
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

82

Einwerthige Alkohole und ihre Derivate.

mit derselben wenig leuchtenden Flamme brennend, welche den Weingeistcharakterisirt. Mischt sich mit Wasser, Weingeist und Aether in allenVerhältnissen, und wirkt so wie der Weingeist innerlich genommen, imconcentrirtesten Zustand als Gift, verdünnt, berauschend. Löst etwasSchwefel und Phosphor auf, ferner viele Harze, die Fette und die ätheri-schen Oele; verhält sich überhaupt dem Weingeist ausserordentlich ana-log; so wie dieser löst er Aetzbaryt und Chlorcalcium auf und verbindetsich damit.

Der Methylalkohol ist ein normaler Alkohol, und besitzt alle einemsolchen zukommenden chemischen Charaktere. Unter der Einwirkung oxy-dirender Agentien verliert er zunächst 2 At. H und geht in Metaldehydübor; durch weitere Oxydation verwandelt er sich unter Eintritt von1 At. H in Ameisensäure.

Gemische von Holzgeist mit Wasser besitzen ein höheres specifischesGewicht, wie reiner Methylalkohol. Da die specifischen Gewichte solcherMischungen von bestimmten Verhältnissen gekannt sind, so kann mannach vorhandenen Tabellen ihren Gehalt an Methylalkohol leicht finden.

Der Methylalkohol wird häufig (namentlich in England) statt desWeingeistes angewendet, und findet auch Anwendung bei der Bereitunggewisser Anilinfarben.

Darstellung. Darstellung. Der Methylalkohol ist in dem hei der trockenen Destilla-

tion des Holzes gewonnenen Holzessig enthalten, jedoch in sehr geringer Menge,kaum mehr wie ein Procent. Um daraus rohen Holzgeist zu gewinnen, wirdder Holzessig, der Essigsäure, Aceton, brenzliehe Oele und mehrere andere Stoffeneben Methylalkohol enthält, mit Kalk neutralisirt und destillirt. Das Destillat,der käufliche Holzgeist, wird mit geschmolzenem Chlorcalcium zusammen-gebracht, welches sich mit dem Methylalkohol verbindet; bei der Destillationim Wasserbade gehen die übrigen Stoffe über, während obige Verbindung inder Retorte zurückbleibt. Man setzt "Wasser zu und destillirt abermals, wobeinun mit dem "Wasser Methylalkohol übergeht, den man durch mehrmaligeDestillation über Aetzkalk, und wiederholte Rectification wasserfrei erhält. Manerhält ferner reinen Methylalkohol durch Destillation von Oxalsäure-Methyl-äther mit Kalihydrat, oder von Gaultheriaöl (Salicylsäure-Methyläther) mitKali; er bildet sich ausserdem in reichlicher Menge, wenn man vorzugsweiseaus Cellulose bestehende Substanzen mit der gleichen Menge Kalihydrat undetwas "Wasser allmählich bis zum Siedepunkt des Quecksilbers erhitzt. Umden Methylalkohol völlig rein und wasserfrei zu erhalten, muss derselbe nachmehrmaliger Rectification, zwei- bis dreimal über metallisches Natrium, dannüber eine kleine Menge wasserfreier Phosphoräure (Phosphorsäureanhydrid)destillirt werden.

Auf synthetischem Wege erhält man Methylalkohol durch länge-Erhitzen von Chlormethyl mit Kalilauge bis aufmuss aber mehrere Tage lang fortgesetzt werden:

Darstellung

these. ° res Erhitzen von Chlormethyl mit Kalilauge bis auf 100° C. Das Erhitzen

CH./01'

+

1»

CH/

H

0 +

01