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2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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Den ratio-nellen For-meln deranorgani-schen jClie-mic lagdas dualisti-sche Systemzu Grunde.

Constitution der org. Verbindungen. 7

klarsten, dass wir einen Körper erst dann kennen, wenn wir eine ratio-nelle Formel für ihn aufzustellen vermögen, d. h. wenn wir über seinechemische Constitution eine bestimmte Anschauung gewonnen haben.

Der Ausdruck, welchen wir unseren Anschauungen über die Consti-tution chemischer Verbindungen geben, ist stets Ausfluss einer bestimm-ten Theorie: eines Systems. So lag allen früher ausschliesslich üb-lichen Formeln der anorganischen Chemie das dualistische System zuGrunde. Man dachte sich nämlich die Entstehung der chemischen Ver-bindungen immer als eine Art Paarung oder Copulation, entweder ein-facher chemischer Individuen: der Grundstoffe, oder je zweier vereinig-ter Gruppen solcher Individuen; auf gleiche Weise deutete man auch alleUmsetzungen. So war im Kaliumoxyd K mit 0 verbunden, im WasserH mit 0, dagegen im Kalihydrat:

KO mit HO.

In den nachstehenden Salzen und Hydraten paart sich nach demdualistischen Systeme:

KO mitSO aFe 2 0 3 mit 3N0 6A1 2 0 3 mit 3 HO.

In den sauren Salzen und Doppelsalzen findet ein ähnliches Verhältnissstatt, so betrachtete man das saure schwefelsaure Kaliumoxyd als eineVerbindung von KO, S0 3 mit S0 3 , HO,

den Alaun als eine Verbindung von

A1 2 0 3 , 3S0 3 mit KO, S0 3u. s. w.

Immer nahm man also in den anorganischen Verbindungen zweinähere Bestandtheile an, welche entweder einfach, oder selbst Verbin-dungen sind.

Das dualistische System hat in der anorganischen Chemie langeZeit unbedingt geherrscht, und es unterliegt auch gar keinem Zweifel,dass es, consequent durchgeführt, zahlreiche Erscheinungen in befriedi-gendster Weise erklärte.

Wesentlich verschieden gestalteten sich aber die Verbältnisse in derorganischen Chemie. Hier ist über die Constitution organischer Verbin-dungen niemals eine solche Uebereinstimmung der Ansichten erzielt, wiesie in dem dualistischen Systeme der anorganischen Chemie ihren Aus-druck gefunden. Der Grund dieser Erscheinung ist in der viel schwie-rigeren Deutung der hier ungleich mannigfaltigeren und verwickeiterenErscheinungen zu suchen, die nicht selten eine mehrfache Auslegungauf gleich befriedigende Weise gestatten. Theorie 8 .! 10

Die bemerkenswerthesten Theorien, welche über die Constitution or- 5 ber .äf e .,

1 t t Constitution

ganischer Verbindungen aufgestellt wurden, sind: 1) die Radical- organischertheorie, 2) die Typentheorie, und als jüngste Phase 3) die söge- gen.