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2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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Metamerie.

6 Einleitung.

einmal so viel Verbindungsgewichte Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauer-stoff enthalten sind, wie in dem des anderen. In der That gab man demAldehyd die empirische Formel C4 H* 0.<, dem Essigäther die FormelC e H 8 O4. Diese beiden Körper sind polymer.

Ebenso sind: Methylen. . . . C 2 H 2

Oelbildendes Gas C 4 H4Propylen. . . . C 6 H 6Butylen . . . . C 8 H 8Amylen .... Oi 0 H 10

polymere Körper. Ihre Formeln sind Multipla von der einfachsten em-pirischen Formel CH. In allen diesen Körpern sind auf 6 GewichtstheileKohlenstoff 1 Gewichtsthl. Wasserstoff enthalten.

In allen Fällen aber, wo Anhaltspunkte für das Vorhandensein derPolymerie bei gleich zusammengesetzten Körpern fehlen, wo auch ihrVerbindungsgewicht gleich gross ist, bleibt uns, wenn wir der Zusam-mensetzung einen Einfluss auf die physikalischen und chemischen Eigen-schaften einer Verbindung zugestehen wollen, was als ein unabweisbaresPostulat erscheint, nichts übrig, als anzunehmen, dass die näheren Be-standtheile der beiden Verbindimgen verschiedene seien, dass sie von ein-ander abweichende rationelle Formeln besitzen. In vielen Fällen lässtsich dies in der That durch gewichtige Gründe stützen, und wir werdenhierauf bei zahlreichen Gelegenheiten näher eingehen.

So sind das ameisensaure Aethyl und das essigsaure Methylzwei Körper von gleicher procentischer Zusammensetzung und gleicherempirischer Formel. Das Verhalten derselben lehrt aber, dass sie beideverschiedene nähere Bestandtheile besitzen.

Die Formel für beide Verbindungen ist empirisch Gg H 6 O4. Ihrerationelle Formel aber kann folgendermaassen ausgedrückt werden:C 2 HO,l n C4H 8 0 2 l n

C4H 5 | Ü2 0 2 H 8 ]° 2

Ameisensaures Aethyl Essigsaures Methyl

d. h. die erstere Verbindung enthält die näheren Bestandtheile C 2 H 0 2(Formyl) und C 4 H 5 (Aethyl), die letztere die näheren BestandtheileGiH a 0 2 (Acetyl) und C 2 H 3 (Methyl) an 0 2 gebunden. Mit dieserAnschauung stehen die Bildungs- und Umsetzungsweisen beider Verbin-dungen in völligem Einklänge. Dieser Art isomere Körper nennt manauch wohl metamere.

In dem obigen Beispiele kann ein Zweifel darüber, dass die chemi-sche Constitution der beiden Verbindungen eine verschiedene ist, nichtbestehen, welche Verschiedenheit der Anschauung auch über den rich-tigen Ausdruck derselben sich geltend machen mag; in anderen Fäl-len fehlen aber alle und jede Anhaltspunkte für die Aufstellung rationel-ler Formeln, und es bleibt nun hier die Isomerie so lange unerklärt, bissolche Anhaltspunkte gewonnen sind. Gerade solche Fälle machen es am