Druckschrift 
1 (1855) Anorganische Chemie und Abriss der organischen Chemie
Entstehung
Seite
754
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

754

Stärk in e h 1

Stärkjnehl (Amylum): C| 2 H I0 O 10 . '897. Das Stärkmehl kommt in den Zellen der Pflanzen inrundlichen Massen, von verschiedener Form und Grösse, abge-lagert vor. Unter dem Mikroskop erscheint z. B. das Kartoffel-stärkmehl in ovalen Körnern, die aus um den Punkt a concentrischabgelagerten Schichten bestehen (Fig. 180). Man gewinnt es

aus den Pilanzentheilen, inwelchen es am reichlich-sten sich findet, z. B. denKartoffelknollen, den Kör-nern des Getreides, indemman sie auf einem Reib-eisen reibt, oder in Müh-len mahlt, wodurch dieZellen zerrissen werden,so dass ihr Inhalt sich inWasser vertheilen lässt.Durch ein feines Siebtrennt man die gröberenPflanzentbeile von demdurch Stärkmebl milchiggetrübten Wasser. Beimruhigen Stehen setzt sich das Stärkmehl auf dem Boden desGefässes aus dem Wasser ab, und wird durch wiederholtes Ver-theilen in Wasser, durch Schlemmen, von anderen beigemengtenPilanzentheilen befreit.

Das Stärkmehl ist in kaltem Wasser unlöslich, quillt in ko-chendem Wasser auf (Kleister), wobei die einzelnen Körnchenanschwellen und zerplatzen, ohne sich jedoch zu lösen. In Alko-hol und Aether ist es ganz unlöslich. Durch Jod wird es inten-siv blau gefärbt, sowohl die unveränderten Körner, als auch dieaufgequollenen. Beim Erhitzen verschwindet die Färbung, kommtaber beim Erkalten wieder zum Vorsehein.

Beim Erhitzen für sich, auf 150 big 200°, wird es, ohne seineZusammensetzung zu ändern, in Dextrin (89G.) übergeführt. Das-selbe geschieht beim Erwärmen mit verdünnten Säuren, sowiedurch ein in dem gekeimten Getreide (Malz) enthaltenes Fer-ment, welches man Diastase nennt. Das Dextrin ist bei dieserVerwandlung indessen nur eine Zwischenstufe, indem dasselbeunter Aufnahme von 2 Aeq. Wasser rasch weiter in Trauben-zucker übergeführt wird.