Druckschrift 
1 (1855) Anorganische Chemie und Abriss der organischen Chemie
Entstehung
Seite
726
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

720

II an; säu rc.

Harn der grasfressenden Säugetkiere und in geringe! Menge indem Menschenharn vor. Man gewinnt sie am besten aus IrischemPferdeharn, den man mit Kalkmilch versetzt, zum Sieden erhitzt,von dem Niederschlag abfiltrirt, und nachdem man vorher genaumit Chlorwasserstoffsäure ncutr.ilisirt hat, auf ein kleines Volumeindampft- Aul Zusatz von Chlorwasserstoffsaure scheidet sich dieHippursäure in schwach gelb gefärbten Krystallen ab, welchedurch Behandlung mit Thierkohle leicht farblos erhalten we; den.

Die Hippursäure krystallisirt in gestreiften vierseitigen Na-deln, löst sich in kochendem Wasser leicht auf, scheidet sichaber beim Erkalten grösstentheils wieder ab. Sie löst sich leichtin Alkohol, aber nur wenig in Aether. Beim Erhitzen schmilztmc und zersetzt sieh unter Schwärzung.

Die Salze der Hippursäure mit Alkalien und Eidalkaliensind fast alle in Wasser und in Alkohol löslich. Ihre allgemeineFormel ist MO . C 19 H a N0 6 .

Die Hippursäure ist eine gepaarte Verbindung von Benzoe-säure mit einem stickstoffhaltigen Korper, welcher durch Auf-nahme der Elemente des Wassers in Glyeocoll (889.) übergeht.Die Spaltung der Hippursäure in Benzoesäure und Glyeocoll ge-schieht beim Kochen sowohl mit Säuren, als auch mit Alkalien.Wir haben schon (782.) die Zersetzungsgleichung angegeben.

Geniesst man Benzoesäure, so geht diese im menschlichenKörper in Hippursäure über, welche in dem Harn ausgeschiedenwird.

Harnsäure: C, (I H 4 N,() 6 .

854. Die Harnsäure ist eine zweibasische Säure, deren ra-tionelle Formel 2 HO . C, 0 H a N, 0 4 geschrieben wird. Sie findetsich im Harn aller Fleischfresser, in grosser Menge in den Schlan-genexcrementen und manchen Harnsteinen: man stellt sie leichtaus den Schlangenexcrementen dar, indem man diese in kochen-dem Kali löst und durch Einleiten von Kohlensäure zweifach-harnsaures Kali fällt, welches mit kaltem Wasser gewaschen, inKali gelöst und mit Chlorwasserstoffsäure zersetzt wird.

Die Harnsäure scheidet sich hierbei als ein weisses, lockeres,aus feinen Krystallen bestehendes Pulver ab. Sie röthet feuchtesLaekmuspapier und löst sieh in etwa 2000 Thln. kochendem und15000 Thln. kaltem Wasser. Die Harnsäure ist eine sehr schwacheSäure, welche nur schwierig die kohlensauren Salze zersetzt. Siebildet zwei Reihen von Salzen:

neutrale harnsaure Salze . 2 MO . C 10 H s N < O 4 ;

und zweifach - harnsaure Salze . MO . HO. C IU H,,N,0<;