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1 (1855) Anorganische Chemie und Abriss der organischen Chemie
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Salze.

Temperatur, in der man die Löslichkeit bestimmen will. Dieabgegossene Flüssigkeit enthält hierauf die Menge von Salz aut-gelöst, welche sie bei der beobachteten Temperatur in Berührungmit dem krystallisirten Salz aufzunehmen fähig ist; diese Lösungnennt man gesättigt. Oder man bewerkstelligt die Lösungin einer höheren Temperatur als in der man die Löslichkeiteines Salzes bestimmen will. und lässt die Flüssigkeit hierauflangsam bis zu der bestimmten Temperatur erkalten, welcheman während einer Viertelstunde etwa unverändert erhält. Esscheidet sich hierbei während des Erkaltens ein Theil des Salzesab, und nur diejenige Menge davon bleibt gelöst, welche dieFlüssigkeit bei der gegebenen Temperatur gehist zu behaltenim Stande ist. Durch Versuche hat man nun gefunden, dass dieLösungen bei der nämlichen Temperatur gleich viel Salz gelostenthalten, mag man auf die eine oder andere Weise verfahren.Verfährt man indessen nach der zweiten Weise, so inuss maneinige Vorsichtsmaassrcgeln treffen, wenn man sieh vor Irrthü-mern sicher stellen will. Es hat sich nämlich gezeigt, dass beidem Erkalten einer Lösung dieselbe nicht immer den Theil desSalzes, welcher in der niederen Temperatur nicht mehr aufge-nommen werden würde, abscheidet, sondern dass die Lösung beidem Erkalten mehr Salz gelöst behält, als der Löslichkeit desSalzes in niederer Temperatur entspricht. Solche Lösungennennt man übersättigt. Wirft man in eine übersättigte Lö-sung einen Krystall des nämlichen Salzes, welches die Lösungenthält, so scheidet sich der überschüssig gelöste Theil desSalzes sogleich aus, und nach wenigen Augenblicken enthält dieFlüssigkeit nur noch die Menge von Salz gelöst, welche sie aucliaufzulösen im Stande ist.

Häufig kann man auch durch lebhaltes Schütteln, oder durchEintauchen eines eckigen oder rauhen Körpers eine rasche Ab-scheidung des im Ueberschuss gelösten Salzes bewirken, ähnlichwie man das Gestehen einer unter den Gefrierpunkt abgekühltenFlüssigkeit herbeiführt. In der Ruhe kann man z. B. Wassermehrere Grade unter seinen gewöhnlichen Gefrierpunkt erkalten,ohne dass es fest wird, was sogleich geschieht, wenn man in dieFlüssigkeit ein Stückchen Eis wirft, oder eine eiserne Spitzeeintaucht.

294. Das schwefelsaure Natron bietet ein sehr merkwürdigesBeispiel zu dieser Trägheit der Salztheilchen in einer Lösungdar. Die Löslichkeit dieses Salzes nimmt bei steigender Tem-peratur von 0. bis 33° rasch zu, von da an wird sie aber bei zuneh-