Homoconiin, Nicotin.
1569
Das «-Äthyl-Piperylalkin ist in zwei isomeren Modifikationen "bekannt: a) farb-lose, sublimierbare, bei 99 bis 100° schmelzende, dem Pseudoconhydrin sehrähnliche, damit jedoch nicht identische Nadeln; b) lange, spitze, bei 69,5 bis71,5° schmelzende Nadeln, die nach dem Schmelzen sublimieren. Beide Basensind optisch-inaktiv und lösen sich leicht mit alkalischer Beaktion. Das Gold-doppelsalz von a) bildet monokline, bei 138 bis 139" schmelzende Prismen;das Golddoppelsalz von b) schwer lösliche, bei 135 bis 136° schmelzendePrismen. Beide Golddoppelsalze schmelzen schon in siedendem "Wasser öligzusammen (Engler, Bauer).
Homoconiin: C 5 H" . C H 2 —CH(CH J ) S NH, «-Isobutylpiperidin,wird durch Beduktion des Isobutylenpyridins: C 5 H'N. CH=C(CH 3 )\durch Natrium in alkoholischer Lösung erhalten. Letztere Base entsteht alsein bei 200° siedendes Öl beim 10 stündigen Erhitzen von «-Picolin, Acetonund etwas Chlorzink. Das Homoconiin ist eine farblose, coniinartig riechende,bei 180° siedende Flüssigkeit, die mit Wasserdämpfen flüchtig ist. Die Salzeund Doppelsalze desselben sind gut kristallisierbar (Jacobi, Stöhr).
Nicotin: C^H^N 2 .
Das Nicotin ist i. J. 1828 durch Posselt und Eeimann aus dem Tabak"isoliert worden, nachdem bereits Vauquelin i. J. 1809 das Vorhandenseineines scharfen, flüchtigen Prinzips darin nachgewiesen hatte. In neuererZeit wurde das Nicotin besonders von A. Pinner, Wolffen stein, Blau,Pictet und Crepieux, welche dasselbe i. J. 1904 synthetisch darstellten,und anderen eingehend studiert.
Das Nicotin findet sich gebunden an Äpfelsäure oder Gitronensäure alsHauptalkaloid in wechselnden Mengen: 0,5 und mehr Proz., in verschiedenenArten der Gattung Nicotiana, besonders in N. tabacum, rustica, glutinosa undmacrophylla. Die käuflichen Zigarren und Tabake enthalten sehr beträcht-liche Mengen von Nicotin: 0,7 bis 2,5 Proz., dagegen finden sich in einigenNicotianaarten, z. B. in Nicotiana affinis, nur sehr geringe Mengen diesesAlkaloids: 0,03 bis 0,05 Proz. Ob das sogenannte Piturin der DuboisiaHopxcoodii mit Nicotin identisch ist (Gerard, Petit), ist noch zweifelhaft.
Außer Nicotin: C 10 H u N ä , finden sich in dem Tabak noch Nicotimin:C l0 H u N 2 , Nicotein: 0 10 H l!! N 2 , Nicotellin: C lI, H 8 N s , und Pyrrolidin:C 4 H 8 . NH. 10 Kilo konzentrierter Tabakslaugen enthalten etwa 1000 g Nicotin,20 g Nicotein, 5 g Nicotimin und 1 g Nicotellin.
Von dem in den Zigarren enthaltenen gesamten Nicotin bleiben nachJ. Habermann 3,6 Proz. in den abgeschnittenen Spitzen, 36,2 Proz. restierenbei intermittierendem Bauchen in den un verrauchten Enden, während 16,3 Proz.in den angesaugten Bauch übergehen und 4-4 Proz. in dem nicht angesaugtenBauche verbleiben, bzw. beim Bauchen zerstört werden.
Zur Darstellung des Nicotins extrahiert man Tabakblätter mit schwachsalzsaurem oder schwefelsaurem Wasser, dampft die erzielten Auszüge beimäßiger Wärme ein und unterwirft alsdann das Extrakt nach Zusatz vonüberschüssigem Natriumcarbonat der direkten Destillation oder der Destillationdurch eingeleiteten Wasserdampf. Die Abscheidung des Nicotins aus demDestillat ist in ähnlicher "Weise zu bewirken wie die des Coniins (s. S. 1559).Die Bektifikation des Bohalkaloids ist im Wasserstoffstrom auszuführen.
Um aus dem käuflichen „Tabakextrakt", welches für die Nicotin-darstellung sehr geeignet ist, das Nicotin zu gewinnen, verdünnt man das-selbe mit dem doppelten Gewicht Wasser, fügt alsdann ein dem angewendetenSchmidt, Pharmazeutische Chemie. II. nq