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2. Organische Chemie 2. Abt. (1911) Organische Verbindungen mit geschlossenem Kohlenstoffringe ...
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Gerberei.

die Lederfabrikation, bezweckt einesteils, die Neigung der Haut zur Fäulnisaufzuheben, anderenteils, unbeschadet ihrer Biegsamkeit und Geschmeidigkeitsie widerstandsfähig gegen Wasser usw. zu machen. Diese Umwandlung derHaut in Leder kann auf verschiedene Weise bewirkt werden. Je nach derArt der Gerbmaterialien und der {Methode des Gerbens unterscheidet manrot- oder lohgares Leder, weiß- oder alaungares Leder, und sämisck-oder fettgares Leder.

Die Bot- oder Lohgerberei, welche sich mit der Umwandlung dervon der aus lockeren Bindegeweben bestehenden Unterhaut und der behaartenOberhaut des Felles befreiten, für die Lederbildung allein tauglichen, dickeren,zwischen Unter- und Oberhaut liegenden Lederhaut (Corium) in rot- oderlobgares Leder beschäftigt, verwendet als Gerbmaterial gerbstoffhaltige Vege-tabilien (Eichen- und Ficbtenrinde, Quebracho, Sumach usw.), mit derenGerbstoff sie die Hautfaser wiederholt, und zwar längere Zeit, vollständigimprägniert. Ob das hierbei gebildete Leder als eine chemische Verbindungvon tierischer Haut mit Gerbstoff aufzufassen ist (Seguin u. a.), oder obdasselbe nur als Haut zu definieren ist, welche ihre Geschmeidigkeit dadurchbewahrte, daß ihre Fasern, infolge einer Flächenanziehung, durch Im-prägnierung und Umhüllung mit Gerbstoff beim Trocknen am Zusammen-kleben gehindert werden (Knapp u. a.), ist noch unentschieden. NachFahrion ist die Gerbung ein chemischer Prozeß, das Leder ein Salz, in_ welchem die tierische Haut sowohl als Säure wie auch als Base fungierenkann. Jede richtige Gerbung muß jedoch von einer Oxydation der Haut-faser begleitet sein, da ohne dieselbe nur ein mangelhaftes, nicht wasser-beständiges Leder resultiert. Das lohgare Leder würde hiernach als einSalz zu bezeichnen sein, in welchem die bei dessen Herstellung teilweiseoxydierte Hautfaser die Rolle der Base, der teilweise oxydierte Gerbstoff dieBolle der Säure spielt.

Die Herstellung von Leder unter Anwendung von Eichen- oder Fichten-rinde, die in Deutschland noch überwiegend angewendete Grubengerbung,erfordert 9 Monate und mehr. Das hierbei erzielte Leder ist dafür jedoch dasqualitativ beste des Handels. Erheblich schneller (in 2% bis 3 Monaten) er-folgt zwar die Gerbung unter Anwendung von Quebracho- oder anderenGerbstoffextrakten, jedoch ist das dabei erzielte Leder, im Vergleich zu demlohgaren, weniger haltbar.

In neuerer Zeit ist versucht worden, den Gerbprozeß, d. h. die Auf-nahme des Gerbstoffes durch die tierische Haut, durch Mitwirkung deselektrischen Stromes zu beschleunigenelektrisches Gerb verfahren,indessen ist es vorläufig noch fraglich, ob das hierbei erzielte Leder anQualität und Herstellungskosten dem nach der althergebrachten, langsamarbeitenden Methode bereiteten entspricht.

In der Alaun- und Weißgerberei geschieht die Umwandlung dertierischen Lederhaut in Leder nicht durch Gerbstoff, sondern durch Be-handlung der Lederhaut mit einem Gemisch aus Alaun und Kochsalz. Hier-durch gelingt es, innerhalb 2 bis 3 Wochen, ein sehr weiches, jedoch gegenWasser wenig beständiges Leder zu erhalten. Der Alaun, dessen Eindringenin die Haut durch die Gegenwart des Kochsalzes erleichtert wird, schlägtsich hierbei als basisches Aluminiumsalz in der Haut nieder.

Der Weissgerberei steht die praktisch auch viel angewendete Mineral-gerberei nahe, bei welcher besonders Eisenoxydsulfatlösung, Chromalaun-oder Chromoxydsalzlösung zur Ledererzeugung benutzt wird. Auch bei demmineralgaren Leder handelt es sich nach Fahrion ebenfalls um eine salz-artige Verbindung, bei welcher die tierische Haut jedoch vorwiegend die