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2. Organische Chemie 1. Abt. (1910) Organische Verbindungen mit offener Kohlenstoffkette
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Bicinusol.

Onanthol (s.S. 364), welches daraus nach dem Trocknen durch wieder-holte Rektifikation, am besten im luftverdünnten Baume, leicht rein erhaltenwerden kann. Der Best des öligen Destillats besteht im wesentlichen ausder der Olsäurereihe angehörenden Undecylensäure: C ll H v0 O il , so daßdie beiden Hauptzersetzungsprodukte, welche bei der Bicinusöldestillationauftreten, als unmittelbare Zersetzungsprodukte der Bicinölsäure erscheinen:

C' 8 H 34 0 3 = C 7 H u O + C u H 2u 0 2 .

Wird das Bicinusol mit Kalihydrat verseift und die ausgesalzene, ge-trocknete Seife vorsichtig destilliert, so wird ebenfalls als HauptproduktOnanthol gebildet. Destilliert man dagegen jene Kaliseife mit einem Über-schüsse von Kalihydrat und unterbricht die Destillation, sobald die Tem-peratur auf 250° gestiegen ist, so geht nur wenig Onanthol und Heptylalkoholüber, wogegen als Hauptprodukt, unter Entwickelung von "Wasserstoff, sekun-därer Octylalkohol: C 8 H 17 .OH (s. S. 288), und Methyl-Hexylketon:C 8 H l6 0 oder CH 3 —CO—C 6 H 13 , gebildet werden. Als Destillationsrückstandverbleibt sehacinsaures Kalium: C 8 H l6 (CO. OK) 2 (Bouis):

C 18 ff s KO ä + KOH -+- H s O = C 8 B".OH -f C l0 H"K 2 O 4 -f 2HC 1B H 33 K0 3 + KOH + H-0 = C 8 H l,i 0 + C 10 H 1 «K ! O 1 -f- 4H.

Um die Bicinusölsäure (Bicinöl- und Bicinisolsäure), welche inGestalt ihres Glycerides, wie bereits erwähnt, in dem Bicinusöle vorhandenist, frei darzustellen, verseift man das Bicinusol mit Natronhydrat, löst dieausgesalzene und abgepreßte Seife in etwa der sechs- bis achtfachen Menge"Wasser auf und fügt so viel Chlorcalciumlösung zu, daß etwa nur ein Drittelder ganzen Masse in das Calciumsalz verwandelt wird. Der hierdurch er-zeugte Niederschlag, welcher hauptsächlich aus den Calciumsalzen der dieBicinusölsäure im Bicinusol begleitenden Fettsäuren besteht, wird abfiltriertund das Filtrat alsdann vollständig mit Chlorcalciumlösung ausgefällt. Dasso gewonnene ricinusölsaure Calcium ist hierauf, nach dem Abpressen, durchwiederholte Umkristallisation aus heißem Alkohol zu reinigen, dann mitverdünnter Salzsäure zu zersetzen und die abgeschiedene Bicinusölsäuremittels Äther aufzunehmen (Claus, Hassenkamp).

Die nach obigen Angaben gewonnene Bicinusölsäure: C l "H"0 3(Oxy öl säure), ist ein dickflüssiges, blaßgelbliches, geruchloses, nicht ohneZersetzung flüchtiges, zur Polymerisation neigendes, in Alkohol und Ätherleicht lösliches, sauer reagierendes Ol vom spez. Gew. 0,946 hei 15°. Unter 0°erstarrt sie zu einer körnig-kristallinischen Masse, welche durch wiederholtesAbpressen in eine erst hei 16 bis 17° schmelzende Kristallmasse übergeht.Die reine Bicinusölsäure dürfte somit ein bei gewöhnlicher Temperaturfester und kristallisierbarer Stoff sein. Salpetrige Säure führt dieselbe in dieisomere, in Nadeln kristallisierende, bei 25° schmelzende Bicinelaidinsäureübei-. Ricinusölsaure und Bicinelaidinsäure sind rechtsdrehend.

Die nach obigen Angaben gewonnene rohe Bicinusölsäure scheint keineinheitliches Produkt, sondern möglicherweise ein Gemenge von zwei isomerenSäuren der Formel C 18 H 34 0 8 , der Bicinölsäure und Bicinisolsäure, zusein, wenigstens liefert dieselbe bei der Oxydation mit Kaliumpermanganatin alkalischer Lösung zwei isomere Trioxystearinsäuren: C' 8 H 33 (OH) 3 0 2 ,vom Schmelzp. 140 bis 142° und 110 bis 111° (Dieff, Hazura).

Bei der Oxydation mit starker Salpetersäure liefert das Bicinusol, ebensodie Bicinusölsäure und Bicinelaidinsäure normale Heptylsäure, Korksäure,Azelainsäure, Adipinsäure, Pimelinsäure und andere zweibasische Säuren,sowie Nitrile der Buttersäure, Valeriansäure, Capronsäure und Caprylsäure.