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Eicinusöl.
729
Syn.
Ricinus öl.
Oleum ricini, Oleum castoris, Oleum pahnae christi, Castoröl.
Die von der Schale befreiten, weichen Kerne der Samen von Ricinuscommunis, einer in Ostindien heimischen, im südlichen Europa kultiviertenEuphorbiacee, enthalten etwa 50 Proz. fetten Öles, welches daraus durchAuspressen, besonders in Bengalen, Italien, Frankreich und England, gewonnenwird. Der Versand geschieht meist in viereckigen, würfelförmigen Blech-gefäßen — Kanistern —. Das kalt gepreßte Eicinusöl ist ein nahezu farb-loses und geruchloses, dickflüssiges Liquidum von mildem, sehr wenigkratzendem Geschmacke; das gewöhnlich nur im Handel befindliche, heißgepreßte ist dagegen schwach gelblich gefärbt und besitzt einen eigentüm-lichen Geruch und einen besonderen, mehr oder minder kratzenden Geschmack.Sein spez. Gew. beträgt bei 15° 0,9615. In der Kälte scheiden sich darauswenige kristallinische Flocken aus; bei — 18° findet ein vollständiges Er-starren zu einer weißen, butterartigen Masse statt. In dünner Schicht aus-gebreitet, trocknet das Eicinusöl langsam zu einer harzartigen Masse ein.In Berührung mit salpetriger Säure oder Stickstoffdioxyd erstarrt es all-mählich zu einer festen Masse (vgl. Elaidinprobe S. 718). Das Eicinusöl lenkt,abweichend von den sonstigen fetten Ölen, den polarisierten Lichtstrahl nachrechts ab: 6,4° (bei 50 bis 60", 200 mm Länge).
Das Eicinusöl enthält, neben kleinen Mengen von Tristearin, als Haupt-bestandteil das Glycerid der Ricinölsäure, das Eicinole'in: C 3 H s (0 . C ls H 33 0 2 ) 3 ,sowie vielleicht auch das Glycerid der damit isomeren Kicinisolsäure, dasEicinisole'in: C 3 H 5 (O.C 18 H 33 O s ) 3 (vgl. unten). Triolei'n scheint in demEicinusöl nicht enthalten zu sein, wohl aber findet sich darin eine geringeMenge des Glycerids einer bei 140 bis 141° schmelzenden Dioxystearin-säure: C l8 H 8B 0 4 (Bussy, Lecanu, Saalmüller, Schädling, H. Meyer,Juillard u. a.). Von allen anderen fetten Ölen unterscheidet es sicli durchseine Löslichkeit in jeder Menge absoluten Alkohols und in Eisessig. Auchin Alkohol von 90 bis 91 Proz. ist dasselbe löslich: bei 15° erfordert 1 Tl.Ricinusöl 4 bis 5 Tle., bei 25° nur 2 Tle. Alkohol zur Lösung.
In Paraffinöl (Paraffinum liquidum) ist das Eicinusöl, abweichend vonden gebräuchlichen fetten Ölen, unlöslich. Diese Eigenschaft kann, imVerein mit der optischen Aktivität, Verwendung finden, um Eicinusöl inanderen fetten Ölen nachzuweisen. Man schüttle zu diesem Zweckedas fragliche Öl, welches man zuvor zur besseren Kennzeichnung der beiGegenwart von Eicinusöl entstehenden zwei Schiebten mit etwas Alcanna-wurzel oder mit Pikrinsäure gefärbt hat, mit dem fünffachen Volum Paraffi-num liquidum.
Bei der trockenen Destillation erleidet das Eicinusöl eine komplizierteZersetzung, indem etwa ein Drittel des angewendeten Öles in Gestalt vonZersetzungsprodukten — Önanthol: C^H^O, Önanthsäure: C r H 14 0 2 , Acrolei'n:C b H' i O, Wasser und festen Fettsäuren — übergeht, während zwei Dritteldesselben als eine voluminöse, zähe, kautschukartige nach Thoms undFendler aus Triundecylensäureanhydrid bestehende Masse in der Betortezurückbleiben. Weit einfacher und ergiebiger gestaltet sich die Destillation,wenn dieselbe bei vermindertem Drucke stattfindet (Krafft). Destilliert manEicinusöl z. B. bei einem Drucke von nur 100 mm, so erhält man nebenwenig wässeriger Flüssigkeit ein farbloses, öliges Destillat, dessen Mengemeist zwischen ein Drittel und ein Halb vom Volum des angewendeten Ölesschwankt, während der Destillationsrückstand zu einer schwammigen Masse;(C"H !0 O s ) u , erstarrt. Das übergegangene Öl besteht etwa zur Hälfte aus