502
Hypothese von Hantzsch und Werner.
Aus dem Umstand aber, dass es zahlreiche Stickstoffverbindungengiebt, in deren Molecülen ein Stickstoffatom vollkommen ähnlich wie
eine - .CH-Gruppe (Methenylgruppe) fungirt, lässt sich mit Wahrscheinlich-keit folgern, dass die Valenzen unter Umständen aus jener Normallageabgelenkt werden können. Wenn man z. ß. die Structurformel desAcetylens mit derjenigen der Blausäure und des elementaren Stickstoffsselbst vergleicht:
CH CH X
CH
N
N
wenn man namentlich berücksichtigt, dass in den aromatischen Ring-systemen CH-Gruppen durch Stickstoffatome ohne erhebliche Verände-rung der Stabilität des cyclischen Complexes ersetzt werden können:
CH. CH
CH V
CH-,
(Beuzuli
CH
CH
CH
CH
CH
(Pyridin).
-CH-
N-
so wird man zu der Ansicht geführt, dass in derart constituirten Mole-cülen die räumlichen Verhältnisse eines Stickstoffatomes ähnlich seinmögen, wie diejenigen einer Methenylgruppe. Diese Hypothese formu-liren Hantzsch u. Werner in dem Satze-
„Die drei Valenzen des Stickstoffatoms sind bei gewissen
Verbindungen nach den Ecken eines (jedenfalls nicht regulären)
Tetraeders hin gerichtet, dessen vierte Ecke vom Stickstoffatom
selbst eingenommen wird/'
Denkt man sich den Schwerpunkt des Stick3toffatoms als Mittelpunkt
eines sphärischen Gebildes, so würden mithin die Angriffspunkte der
drei Valenzeinheiten- in solchen Fällen nicht auf dem Aequator, sondern
auf einem Parallelkreise angeordnet sein:
Fig. 59.
Um am Modell die Consequenzen dieser Anschauung zu versinnlichen,kann man sich daher der gewöhnlichen Kohlenstoffmodelle (vgl. Bd. I,S. 666—667) bedienen, indem man einfach eine Valenz unbenutzt lässt.