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2. Cyclische Verbindungen - Naturstoffe 1 (1923) Einkernige isocyclische Verbindungen
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Bildung von Thiophenolen.

Neunundzwanzigstes Kapitel.Aromatische Derivate des Schwefelwasserstoffs.

(Thiophenole und Mercaptane, Sulfide, Disulfide, Sulfoxyde, Selen- und Tellur-Verbindungen.)

I. Einwerthige Thiophenole und Mercaptane.

Wenn in dem Schwefelwasserstoffmolecül ein Wasserstoffatom durcheinen einwerthigen aromatischen Kohlenwasserstoff vertreten wird, soentstehen die schwefelhaltigen Analoga der Phenole oder der aroma-tischen Alkohole, z. B.:

C e H 6 -SH und C a H 5 -CH 2 -SH,

je nachdem die Sulfhydroxylgruppe direct in den aromatischen Kernoder in eine Seitenkette eingreift. Verbindungen der ersten Art nenntman Thiophenole; es wäre zweckmässig, von ihnen die Verbindungender zweiten Art, die den aliphatischen Mercaptanen durchaus ent-sprechen, alsaromatische Mercaptane" zu unterscheiden. Dochist eine solche Unterscheidung bisher noch nicht durchgeführt, vielmehrpflegte man in der Bezeichnungaromatische Mercaptane" die beidenArten von Sulfhydrylverbindungen zusammenzufassen.

Man erhält Thiophenole aus den Kohlenwasserstoffen durch Er-wärmen mit Schwefel in Gegenwart von Aluminiumchlorid 1 , aus denPhenolen durch Behandlung mit Phosphorpentasulfid 2 ; doch verlaufendiese beiden Reactionen zu wenig glatt, um als Darstellungsmethodedienen zu können.

Dagegen kann man von den leicht erhältlichen Sulfosäuren (vgl.S. 130 ff.) bequem zu den Thiophenolen gelangen, indem man die Sulfo-chloride mit Zinkstaub und verdünnter Schwefelsäure reducirt 3 , wobeials Zwischenprodukte Sulfinsäuren (vgl. S. 139) auftreten.

Eine ebenfalls praktische Gewinnungsmethode bietet die von denAminen ausgehende LEucKABT'sche Diazoreaction, die schon S. 294 er-läutert wurde. Doch sei nachdrücklich betont, dass bei ihrer Anwendungin grösserem Massstab äusserste Vorsicht am Platze ist, da der Verlaufder Reaction durch geringfügige Aenderung der Arbeitsbedingungen sehrwesentlich beeinflusst wird. Während nämlich der Process in der Regelsich ruhig abspielt, sind zuweilen bei anscheinend gleicher Arbeitsweise

1 Fbiedel u. Crafts, Ann. eh. [6] 14, 437 (1888).

1 Kektjle, Ztschr. Chem. 1867, 193.

8 Vgl.: Voigt, Ann. 119, 142 (1861). Otto, Ber. 10, 939 (1877). Bourgeois,Ber. 28, 2319 (1895J. Ellerv, Zur Keimtn. d. aromat. Sulfide, Sulfoxyde u. Sulfoue(Diss. Heidelberg), S. 10.