Druckschrift 
2. Cyclische Verbindungen - Naturstoffe 1 (1923) Einkernige isocyclische Verbindungen
Entstehung
Seite
392
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

392

Amidophenole.

nitrophenols zeigen gegen Zinn und Salzsäure ein eigentümliches, von den Derivatendes Ortho- und Paranitrophenols abweichendes Verhalten: bei der Reduction derNitrogruppe zur Amidgruppe wird gleichzeitig das Halogen durch Wasserstoffersetzt l .

E. Amidophenole.

Amidophenole, wie C 6 H 4 (OH)(NH 2 ), können durch Reduction der ent-sprechenden Nitrophenole gewonnen werden; sehr bequem verläuft dieReduction beim Kochen mit Wasser und Zinkstaub 2 . Man erhält sie fernerdurch Reduction der sogenannten „Nitrosophenole" 3 , die aus Chinonendurch Einwirkung von Hydroxylamin entstehen (vgl. S. 456), und durchReduction von Azoderivaten der Phenole 4 . Namentlich letztere Reactionbietet eine häufig vortheilhafte Methode, um in ein Phenol eine zurHydroxylgruppe para- oder ortho-ständige Amidgruppe einzuführen; mancombinirt das Phenol mit einer Diazoverbindung (vgl. S. 396—397) undspaltet das Combinationsprodukt durch Reduction, z. B.:

OH

OH

OH

-N 2 -C 6 H 4 .S0 3 H

-NH 3

+ NH 2 .C 6 H 4 .S0 3 H.

CH,

CH a

CH 3

Von besonderem Interesse ist die Bildung von Amidophenolen durchUmlagerung von aromatischen Hydroxylaminderivaten 6 (vgl. S. 244—245).In Folge dieser Reaction erhält man Amidophenole auch bei der Zer-setzung von Diazoimiden durch verdünnte Säuren 0 (vgl. S. 244, 348)und bei der elektrolytischen Reduction von Nitroverbindungen 7 (vgl.S. 151), welch' letzterer Vorgang für manche Amidophenole eine vor-treffliche Darstellungsmethode a~bgiebt (vgl. S. 393 die Vorschrift fürParaamidophenol).

In zweiwerthigen Phenolen kann man eine Hydroxylgruppe durchErhitzen mit Ammoniak gegen die iAmidgruppe auswechseln und gelangt

1 Schliepeb, Ber. 25, 552 (1892); 26, 2465 (1893).

2 Bamberger, Ber. 28, 250—251 (1895).

3 Vgl. z.B.: Andresen, J. pr. [2] 23, 168 (1881). — 0. Fischer u. Wacker,Ber. 21, 2616 (1888). — Kehrmann, Ber. 22, 3267 (1889). J. pr. [2] 39, 397 (1889).

— Mazzara, Ber. 22 Ref., 730 (1889). — Wallach u. Neumann, Ber. 28, 16611663 (1895). — Plancher, Chem. Centralbl. 18961, 436.

4 Vgl. z. B : Nölting i. Kohn, Ber. 17, 359, 365, 367 (1884). — C. Liebermannu. v. Kostanecki, ebenda, 877, 884, 886. — P. Friedländer u. Zeitlin, Ber. 27,194 (1894).

5 P. Friedländer, Ber. 26, 177 (1893). — Friedländer u. Stange, ebenda, 2260.

— Bamberger, Ber. 27, 1552 (1894). — Wohl, Ber. 28 Ref., 950 (1895).

6 Griess, Ber. 19, 314 (1886). — P. Friedländer u. Zeitlin, Ber. 27, 192 (1894).

7 Gattermann, Ber. 26, 1844 (1893); 27, 1927 (1894). — Elbs, Chem. Centralbl.1896 I, 589. — W. Lob, Ber. 29, 1391 (1896).