Dinürokresole, Halogennitrophenole.
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Stoss unempfindlich, wird aber durch Knallquecksilber oder Schiess-baumwolle zur Explosion gebracht; die Salze explodiren sowohl beimErhitzen wie durch Stoss sehr heftig. Die Wirkung des vielgenannten,in Frankreich für Militärzwecke benutzten Sprengstoffs „Melinit" be-ruht auf der Explosivkraft von freier Pikrinsäure, welche in geschmol-zenem Zustand zur Füllung von Granaten verwendet und durch Schiess-wollzünder zur Entzündung gebracht wird.
Pharmaceutisch wird Pikrinsäure neuerdings als schmerzlinderndes und anti-septisehes Mittel zur Behandlung von Brandwunden empfohlen 1 .
Im Laboratorium benutzt man Pikrinsäure häufig als Fällungs-mittel und Reinigungsmittel für organiscne Basen, da sie mit vielenorganischen Basen schön krystallisirende und schwer lösliche Salze bildet.Für die Reinigung, Charakterisirung oder quantitative Bestimmungvon Kohlenwasserstoffen ist ferner in manchen Fällen ihre Fähigkeit,sich mit Kohlenwasserstoffen 2 zu krystallisirten Verbindungen zu ver-einigen (vgl. S. 150), sehr wichtig (vgl. z. B. Naphtalin). Solche Pikrin-säure-Verbindungen kann man meist sehr bequem analysiren, indemman sie mit Ammoniak zerlegt, die so entstehende Ammoniumpikrat-Lösung filtrirt und im Wasserbade eindampft, endlich den Rückstand(Ammoniumpikrat) nach dem Trocknen bei 105—110° wägt 3 . Auch mitPhenolen 4 tritt Pikrinsäure zu Verbindungen zusammen.
Die Literatur über Pikrinsäure vgl. in den Gitaten zur TabelleNr. 56 auf S. 381, 384, 385.
Dinitrokresole C 6 H 2 (CH 3 )(NOs,) 2 • OH (Methyl-dhiitro-oxy-benzene) wurden zeit-weise in Form ihrer Alkalisalze als Farbstoffe (Victoriagelb, Victoriaorange,Safransurrogat etc.) in den Handel gebracht 5 , werden aber gegenwärtig für diesenZweck kaum noch gebraucht. Neuerdings werden die wasserlöslichen Salze des Di-nitro-Orthokresols als Mittel zur Vertilgung der Nonnenraupe und anderer Insekten(„Antinonnin")- empfohlen 6 .
Halogennitrophenole können durch Nitriren von halogenirten Phenolen oderdurch Halogeniren von nitrirten Phenolen gewonnen werden. Bemerkenswerth istdie Thatsache, dass im Gegensatz zu dem nicht flüchtigen Para-Nitrophenol dasOrtho-dibrom-paranitrophenol C 6 H 2 Br 2 (N0 2 )-OH (l-Nitro-4-oxy-3 .ö-dibrom-benxen) mit Wasserdämpfen flüchtig ist 7 . — Die Brom- und Jodderivate des Meta-
Fabrik Griesheim, Ber. 26 Ref., 921 (1893). — Vgl. dazu Häussermann in Rich.Meyer's Jahrbuch der Chemie 1893, 3tf8.
1 Pharm. Centralh. 36, 585 (1895); 37, 10 (1896).
- Fritzsche, Ann. 109, 247 (1859). — Berthelot, Bull. 7, 30 (1867). — Küster,Ber. 27, 1101 (1894).
3 Ueber Wägung der Pikrinsäure als Acridinpikrat vgl. Anschütz, Ber. 17,438 (1884). * v. Goedicke, Ber. 26, 3042 (1893).
5 Vgl.: Martids u. Wichelhaus, Ber. 2, 206 (1869). — Wichelhat/s, Ber. 7,176 (1874). — Piccard, Ber. 8, 685 (1875). — Nölting u. Salis, Ber. 14, 986 (1881);15, 1858 (1882). — Staedel, Ann. 217, 153 (1882). — Weyl, Ber. 20, 2835 (1887);21, 512 (1888).
6 Bayer u. Co., Ber. 26 Ref., 257 (1893); 27 Ref., 213, 316 (1894).; Nölting, Ghandmougin u. Michel, Ber. 25, 3335 Anm. (1892).