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2. Cyclische Verbindungen - Naturstoffe 1 (1923) Einkernige isocyclische Verbindungen
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Mononitrophenole.

nitrophenole bereits kohlensaure Salze; Trinitrophenol (Pikrinsäure)reagirt stark sauer und kommt in Bezug auf elektrolytische Dissociation(vgl. Bd. I, S. 640) den stärksten Säuren nahe. Der säureartige Charakterder höher nitrirten Phenole spricht sich auch darin aus, dass ihre Methyl-äther — im Gegensatz zu den gewöhnlichen Phenoläthern (vgl. S. 362) —schon durch Kochen mit alkoholischem Kali verseift werden 1 .

Die beiden Mononitrophenole C c H 4 (N0 2 XOH) (Nitro-oxy-benzene),welche durch directe Nitrirung des Phenols neben einander entstehen,können sehr leicht getrennt werden, da mit Wasserdämpfen das Ortho-nitrophenol leicht, das Paranitrophenol dagegen nicht flüchtig ist.Sie werden in der Industrie der künstlichen Farbstoffe und Arznei-mittel als Zwischenprodukte hergestellt; das Orthonitrophenol dient inForm seines Methyläthers zur Herstellung des Dianisidins (s. dort), dasParanitrophenol in Form seines Aethyläthers zur Gewinnung des Phen-acetins (vgl. S. 395). Für die Darstellung der beiden Isomeren ist zubeachten, dass um so mehr Para-Verbindung entsteht, je niedriger dieNitrirungs-Temperatur ist 3 . Fabriken, welche lediglich Bedarf an Para-nitrophenol (für Phenacetin) haben und daher die Bildung von Ortho-nitrophenol ganz vermeiden wollen, können auch vom Acetanilid aus-gehen, indem sie das Acetanilid zu Para-Nitroacetanilid nitriren (vgl.S. 214, 217) und letzteres durch Kochen mit Alkalien in Paranitrophenolverwandeln (vgl. S. 216). — Abgesehen von der Flüchtigkeit mit Wasser-dämpfen unterscheiden sich die beiden Isomeren noch prägnant dadurch,dass Orthonitrophenol intensiv gelb gefärbt ist und einen starken charak-teristischen, an Nitrobenzol erinnernden Geruch besitzt, während Para-nitrophenol farblos und geruchlos ist. Diese Unterschiede (vgl. auchüber das kryoskopische Verhalten S. 361) zweier Verbindungen, welchelediglich als S t eil ungs isomere angesehen werden, müssen ausser-ordentlich auffallend erscheinen; man hat daher die Frage aufgeworfen,ob in der Constitution der beiden Verbindungen nicht, abgesehen vonder Stellung, noch eine besondere Verschiedenheit bestehen möge 3 .Die Unterschiede verschwinden bei der Salzbildung und Aetherbildung;so sind z. B. die Methyläther beider Nitrophenole ungefärbt und mitWasserdämpfen flüchtig, die Salze beider Nitrophenole intensiv gefärbt.

Das Metanitrophenol, welches durch directe Nitrirung nicht ent-steht, gewinnt man aus dem Metanitroanilin (vgl. S. 217), indem mandie Amidgruppe vermittelst der Diazoreaction gegen Hydroxyl austauscht(vgl. S. 389 die Vorschrift). Es ist in freiem Zustand nicht gefärbt,geruchlös und verflüchtigt sich nicht mit Wasserdämpfen. Es erleidetkeine praktische Anwendung.

1 Vgl. Cahoürs, Ann. 69, 237, 239 (1849).

2 Goldstein, Ber. 11, 1943 (1878). — Pictbt, Compt. rend. 116, 817 (1893).

»' Armstrong, Ber. 25 Ref., 753 (1892). — Vgl. Auwbrs, Ztschr. f. physik. Chem.18, 623 (1895).