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2. Cyclische Verbindungen - Naturstoffe 1 (1923) Einkernige isocyclische Verbindungen
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Erschliessung der Diazokörper durch Peter Griess.

folge einer geradezu unvergleichlichen Eeactionsfähigkeit haben aberandererseits die ihr angehörenden Verbindungen auch eine hervor-ragende praktische Bedeutung erlangt; sie sind als Durchgangsstufenbei den Reactionen sowohl, die man im kleinen Laboratoriumsmassstabfür wissenschaftliche Untersuchungen ausführt, wie auch bei den mitgewaltigen Mengen angestellten Operationen der Technik zu ganz un-entbehrlichen Hülfsmitteln des "heutigen Chemikers geworden. Trotzsolcher vielseitigen Anwendung sieht man indessen diese sonderbarenKörper als solche nur in seltenen Fällen; mei§t hütet man sich davor,sie in reinem Zustand abzuscheiden, da die Zersetzlichkeit bei denreinen, trockenen Verbindungen sich häufig bis zu enormer Explo-sivität steigert; man erzeugt sie daher gewöhnlich nur in wässerigerLösung, um sie alsbald wieder zu zersetzen und derart dem gewünschtenZweck nutzbar zu machen.

Es bedurfte der schärfsten Beobachtung, damit die Entstehungsolcher Verbindungen, die kaum gebildet wieder zerfallen, über-haupt bemerkt wurde, einer vollendeten Experimentirkunst, damit dieBedingungen ermittelt wurden, unter denen sie ohne Zersetzung erhaltenund isolirt werden können, endlich der grössten Besonnenheit und Un-erschrockenheit zur Ueberwindung der Schwierigkeiten und Gefahren,welche die eingehende wissenschaftliche Bearbeitung von derart explo-siven Substanzen mit sich bringt. Die Untersuchungen 1über eineneue Klasse organischer Verbindungen, in denen Wasserstoffdurch Stickstoff vertreten ist", durch welche Peter Gbiess 2 inden Jahren 18581866 das Gebiet der Diazokörper erschloss, werdendaher mit Kecht allgemein als Meisterwerke der experimentell-chemischenForschung bewundert.

Die Wege, welche Petee Griess gewiesen hatte, wurden bald mehrund mehr betreten und durch die Arbeit zahlreicher geschickter Experi-mentatoren immer bequemer gangbar gemacht, je mehr man dieVortheileerkannte, welche Wissenschaft und Industrie aus denDiazoreactionen"ziehen konute. So ist dasDiazotiren" eine der gewöhnlichstenchemischen Operationen geworden, in deren Technik heute jeder An-fänger im organisch-chemischen Laboratorium eingeführt wird.

Bildung der Diazoverbindungen (Diazotirung).

Man erzeugt die Diazokörper zunächst stets in Form ihrer Säure-salze, wie:

C 6 H 5 -N=N-C1, Cl ä ^-N-N-N0 8 ,

1 Ann. 113, 201 (1860); 117, 1 (1861); 121, 257 (1862); 137, 39 (1866).

J Ein Nekrolog auf P. Griess (von A. W. v. Hofmann, E. Fischer u. H. Caro)in den Ber. 24c, 1007 ff. (1891) würdigt die Bedeutung der GRiEss'schen Arbeitenfür Wissenschaft und Industrie.