Constitution und Eigenschaften der Nitrokörper.
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ab, ob eine Nitrogruppe oder mehrere von jedem Benzolkern aufge-nommen werden (vgl. als Beispiele S. 158 die Darstellungsvorschriften).Für sehr energische Nitrirungen — z. B. die Herstellung von Trinitro-benzol aus Benzol 1 — wendet man ein Gemisch von rauchender Salpeter-säure mit stark anhydridhaltiger Schwefelsäure (Pyroschwefelsäure) beihöherer Temperatur an. Auch bei der Nitrirung zeigt es sich, dass dieHomologen des Benzols leichter substituirt werden, als das Benzol selbst(vgl. S. 116); so lässt sich das Mesitylen durch Salpeterschwefelsäureschon in der Kälte zu Trinitromesitylen nitriren.
Untersuchungen über den zeitlichen Verlauf der Nitrirung, die Abhängigkeitdes Nitrirungsverlaufa von der Säureconcentration etc. vgl. im Original 5 .
Neben der directen Nitrirung haben andere Bildungsweisen vonNitroverbindungen kaum irgendwelche praktische Bedeutung. Alstheoretisch interessant sei indess erwähnt, dass man vermittelst derDiazoreaction die Amidgruppe gegen die Nitrogruppe auswechseln kann(vgl. Kap. 20), und dass man aus Anilin C 0 H 5 (NH 2 ) auch durch Ein-wirkung von Oxydationsmitteln 3 Nitrobenzol erhalten hat. Von Chinonenkann man zu den entsprechenden Para-Dinitroverbindungen — z. B. vomBenzochinon C ß H 4 0 2 zum Para-Dinitrobenzol C ( .H 4 (N0 2 )„ — durch Oxy-dation der Chinondioxime gelangen: eine Beaction, welche für manchePara-Dinitroverbindungen auch als Darstellungsmethode empfehlens-werth ist.
Die durch directe Einführung der Gruppe —NO„ an Stelle vonWasserstoff entstehenden aromatischen Nitroverbindungen sind nicht etwaals Salpetrigester, wie O fi H 6 —O-NO, sondern als wahre Nitrokörper, wieC„H 6 —N0 2 , aufzufassen, deren Nitrogruppe vermittelst ihres Stickstoff-atoms direct an ein Kohlenstoffatom des Benzolkerns geknüpft ist. Esergiebt sich das zunächst aus ihrer Unverseifbarkeit; so kann man Nitro-benzol mit Wasser längere Zeit auf 200° erhitzen, ohne dass das Wassereine saure Reaction annimmt 4 . Vor Allem aber zeigt die Reducirbar-keit jener Nitroverbindungen zu Amidoverbindungen:
C 0 H 6 -NO,, -------- >- QbHj-NHj,
dass ihr Stickstoffatom in directer Bindung mit dem Benzolkern stellt.Die Mononitroderivate der niederen Benzolkohlenwasserstoffe sindtheils Flüssigkeiten, theils krystallinische Verbindungen von starkem,bittermandelölartigem Geruch, in Wasser wenig oder nicht löslich, inAlkohol und Aether leicht löslich; sie sind mit Wasserdämpfen flüchtig
1 Hefp, Ann. 215, 345 (1882).
2 SriNDLER, Ann. 224. 283 (18841. — Giersbach, Kessler u. L. Meyer, Ztschr.•f. physik. Chem. 2, 676 (1888).
3 Prudhomme, Bull. [3] 7, 621 (1892). — Bahbeucei; u. Meimbebo, Ber. 26, 496(1893). — 0. Fischer u. Trost, Ber. 26, 308H (1S93).
4 Vgl. Spindi.er, Ann. 224, 297 (1884).