Druckschrift 
2. Cyclische Verbindungen - Naturstoffe 1 (1923) Einkernige isocyclische Verbindungen
Entstehung
Seite
126
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

126

Jodidchloride und Jodosoverbindungen.

B. Jodclerivate der Benzolkohlenwasserstoffe, in welchen dasJod mehrwerthig fungirt 1 .

Neuere Beobachtungen haben gezeigt, dass die im Benzolkern ge-bundenen Jodatome die Fähigkeit besitzen, leicht in den Zustand höhererWerthigkeit überzugehen. Durch diesen Valenzwechsel des Jods wirddie Existenz eigenartiger Verbindungsklassen bedingt, deren aliphatischeVertreter bisher nicht bekannt sind.

Jodidchloride, wie C 6 H 5 -JC1 2 , von Willgerodt 1886 entdeckt entstehen leicht aus den Jodsubstitutionsprodukten der Benzolkohlen-wasserstoffe, wenn man in ihre Chloroformlösung Chlor einleitet. Essind gelbe, krystallinische Verbindungen, welche ihr Chlor sehr leichtbeim Erwärmen abgeben, aus Jodkaliumlösung Jod frei machen:

C 6 H 5 .JC1 2 + 2KJ = C 0 H S -J + 2KC1 + 2J

und beim Digeriren mit Wasser oder glatter mit Alkalien in Jodoso-verbindungen übergehen.

Die derart entstehenden Jodosorerbinduiigen kann man sich ausden aromatischen Kohlenwasserstoffen abgeleitet denken, indem Wasser-stoffatome gegen die einwerthige GruppeJO ausgetauscht werden.Nachdem in der Jodosobenzoesäure (s. dort) der erste Repräsentantder Jodosoverbindungen von V. Meyer u. Wachtee entdeckt war,stellte Willgeeodt die einfachsten Vertreter der Gruppe Jodoso-benzol, Jodosotoluole aus den Jodidchloriden dar. Man gewinnt sieaus den Jodidchloriden am zweckmässigsten durch mehrstündiges Ver-reiben mit Natronlauge. Es sind amorphe, gelbliche Substanzen (vgl.dagegen bei Jodosobenzoesäure deren Krystallisationsfähigkeit), welchesich in kaltem Wasser, Alkohol, Aether, Benzol, Chloroform und anderenindifferenten Lösungsmitteln fast gar nicht, in Eisessig und verdünnterSalpetersäure unter Salzbildung (vgl. S. 127) auflösen und beim Erhitzensich zersetzen; diese Eigenschaften machen eine Moleculargewichts-bestimmung auf physikalischem Wege unmöglich und lassen die Ver-muthung nicht ungerechtfertigt erscheinen, dass die Jodosokohlenwasser-stoffe im freien Zustand ein höheres Moleculargewicht, als den einfachenFormeln C ß fL-JO etc. entspricht, haben möchten. Beim Erhitzen oderbei längerem Aufbewahren zersetzen sich die Jodosokohlenwasserstoffein einfache Jodderivate und JodoVerbindungen, z. B.:2C 6 H 5 .JO = C 6 H 5 .J + C 6 H 5 J0 2 ;

da die entsprechenden Jodoverbindungen (vgl. S. 127) bei höherer Tem-peratur explodiren, so tritt auch bei weiterem Erhitzen der Jodoso-

1 Willgerodt, J. pr. |2l 33, 154 (1886); 49, 466 (1894). Ber. 25, 3494(1892);26, 357, 1307, 1532, 1802, 1947 (1893); 27, 590, 1790, 1826, 1903 (1894> V. Meteru. Wächter, Ber. 25, 2632 (1892). R. Otto, Ber. 26, 305 (1893). Askenasyu. V. Meyer, Ber. 26, 1354 (1893). V. Meyer, Ber. 26, 2118 (1893). Töhl,Ber. 26, 2949 (1893). Hartmann u. V. Meyer, Ber. 27, 426, 502, 1592 (1894).