Druckschrift 
2. Cyclische Verbindungen - Naturstoffe 1 (1923) Einkernige isocyclische Verbindungen
Entstehung
Seite
98
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

98

Anomalieen bei der Friedet-Grafts'schen Reaction.

es findet mithin eine Uebertragung der Seitenketten statt. Durch dasgleichzeitige Verlaufen derartiger Processe 1 werden die Reactionsgemischein vielen Fällen sehr complicirt und schwer zu entwirren; als Grundlagefür Constitutionsbestimmungen von Benzolhomologen wird die Reactiondadurch unbrauchbar. Um den Abbau und die Uebertragung der Seiten-ketten möglichst einzuschränken, empfiehlt es sich, die Reaction beiniederer Temperatur nicht über 5060° sich abspielen zu lassen. Complicationen der Reaction können ferner durch die umlagernde 2(eventuell auch spaltende 3 ) Wirkung hervorgerufen werden, die das Alu-miniumchlorid auf manche Halogenalkyle ausübt (vgl. Bd. I, S. 186187).

Zur Erklärung 4 der höchst merkwürdigen Wirkungen des Aluminium-chlorids nimmt man die Bildung von Verbindungen des Aluminium-chlorids mit den aromatischen Kohlenwasserstoffen an. Erwähnt seiauch, dass Aethylen beim Durchleiten durch ein erwärmtes Gemischvon Benzol und Aluminiumchlorid äthylirte Benzole liefert 5 .

Zur Darstellung von Aluminiumchlorid 8 für die Friedel-Cr AFTs'scheReaction erhitzt man jetzt zweckmässig Schnitzel von metallischem Aluminium, diesich in einer schwer schmelzbaren Glasröhre befinden, auf dem Verbrennungsofen ineinem sehr lebhaften, trockenen Salzsäurestrom; man fängt das übergehende Chloridin einem weithalsigen, möglichst dicht an das Ofenende gebrachten Pulverglase auf,das mit einem doppelt durchbohrten und durch Asbest vor Verkohlung geschütztenKork versehen ist; durch die eine Bohrung tritt das Ende des Verbrennungsrohresein, während die zweite ein nicht zu enges Ableitungsrohr trägt.

Darstellung von Aethylbenzol nach der Friedel-Crafts' sehen Reac-tion 7 : Man bringt ein Gemisch von 10 Thjn. Bromäthyl und 100 Thln. Benzol ineinen Kolben mit Rückflusskühler, dessen Ende durch ein Ableitungsrohr mit einertarirten, Wasser enthaltenden Vorlage verbunden ist, fügt etwa 0 2 Thle. Aluminium-chlorid hinzu und erwärmt auf dem Wasserbade. Wenn die Reaction sich verlang-samt, trägt man wieder etwa 0-2 Thle. Aluminiumchlorid ein und so fort, bis dieGewichtszunahme der Vorlage der theoretisch zu entwickelnden Bromwasserstoffsäure(berechnet auf die angewandte Menge'Bromäthyl) entspricht; man braucht hierfürhöchstens 2 Thle. Aluminiumchlorid. Hierauf giesst man das Reactionsgemisch inWasser ein, trocknet die abgehobene Oelschicht mit Chlorcalcium und scheidet ausderselben durch Fractionirung in einem Colonnenapparat die bei 133135° siedendeFraction ab.

1 Vgl. Friedel u. Ceafts, Journ. Soc. 41, 115 (1882). Bull. 39, 306 (1883).Compt. rend. 100, 692 (1885). 0. Jacobsen, Ber. 18, 338 (1885). Anschütz u.Immendorf, Ber. 18, 657 (1885). Ann. 235, 177 (1886). Heise u. Töhl, Ann. 270,155 (1891). Badr, Ber. 27, 1606 (1894).

J Gossin, Bull. 41, 446 (1884). Silva, Bull. 43, 317 (1885). Schramm,Monatsh. 9, 624 (1888). Senkowski, Ber. 23, 2412 (1890). Genvresse, Bull. [3]9, 508 (1893). Tissier, Ann. eh. [6] 29, 360 (1893). Baur, Ber. 27, 1610 (1894).

3 Noeltinq, Cöthener Chem.-Ztg. 17, 170 (1893).

4 Gustavson, Ber. 11, 215 (1878); 16, 784 (1883); 23 c, 767 (1890). Friedelu. Crafts, Ann. eh. [6] 14, 457 (1888).

6 Balsohn, Bull. 31, 539 (1879).

8 Stockhadsen u. Gattermann, Ber. 25, 3521 (1892).

7 Vgl. Sempotowski, Ber. 22, 2662 (1889). Behal u. Choat, Bull. [3] 11,207 (1894).