Die Metastellung in ihrer Verschiedenheit von der Ortho- und Para-Stellung 77
Entweder der neu eintretende Substituent besetzt gleich-zeitig die Ortho- und Parastellung, während die Metastellungfrei bleibt. So entstehen beim Nitriren von Phenol C 6 H 5 OH nebeneinander die Ortho- und Paranitroderivate, dagegen keine Spur desMetaderivats; ebenso bilden sich beim Bromiren und Sulfuriren vonPhenol, beim Nitriren von Toluol C 6 H 5 -CH 3 , beim Bromiren und Nitrirenvon Brombenzol, beim Nitriren von Benzylchlorid C 6 H S -CH 2 C1 etc. etc.Ortho- und Paraderivate neben einander, während Metaverbindungennicht — oder nur in verschwindender Menge — entstehen.
Oder der neu eintretende Substituent besetzt der Haupt-reaction nach die Metastellung, lässt dagegen die Ortho- undParastellung frei. So bilden sich beim Nitriren von Nitrobenzol,Benzaldehyd C 0 H 6 -CHO und Benzoesäure C 6 H 5 -C0 2 H grosse Mengen derMetaverbindung, dagegen nur sehr kleine Mengen Ortho- oder Para-verbindung; Nitrobenzol liefert beim Chloriren m-Chlornitrobenzol; beimSulfuriren von Benzolsulfosäure C 6 H 5 -S0 3 H oder Benzoesäure C 6 H 6 -00211entstehen Metabenzoldisulfosäure C 0 H 4 (SO 3 H) 2 bezw. Metasulfobenzoe-säure C G H 4 (C0 2 H)(S0 3 H) als Hauptprodukte etc. etc.
Man erkennt an dieser sehr allgemeinen Erscheinung 1 bereits, dass .einerseits zwischen Ortho- und Parastellung eine gewisse Ver-wandtschaft besteht, während andererseits die Metastellungsich zu ihnen gewissermassen gegensätzlich verhält. Dergleiche Schluss drängt sich nun auch auf, wenn man das Verhalten derDiderivate in gewissen Punkten betrachtet.
Es zeigt sich z. B., dass das im Benzolkern befindliche Bromatom„beweglich" wird, wenn entweder die Ortho- oder die Parastellung durchdie Nitrogruppe besetzt ist; so werden das Ortho- und das Parabrom-nitrobenzol C 6 H 4 Br(N0 2 ) durch Ammoniak in die entsprechenden Nitro-aniline C 6 H 4 (NH a )(N0 2 ) verwandelt, während Metabromnitrobenzol ebensowie Brombenzol selbst mit Ammoniak nicht reagirt. In analoger Weiseunterscheiden sich Ortho- und Paranitroanisol C 6 H 4 (0-CH 3 )(N0 2 ), welchevon Ammoniak in Nitroaniline übergeführt werden, vom Metanitroanisolund dem Anisol C G H 6 (0-CH 3 ) selbst, da letztere Verbindungen sichdieser Umwandlung nicht fähig erweisen. Ortho- und ParanitroanilinC 6 H 4 (NH 2 )(N0 2 ) liefern beim Kochen mit Alkalien die entsprechendenNitrophenole C 6 H 4 (OH)(N0 2 ), Metanitroanilin und Anilin selbst bleibenbeim Kochen mit Alkalien unverändert. Ortho- und Para-NitroacetanilidC 6 H 4 (NH-CO-CH 3 )(N0 2 ) lösen sich leicht in wässerigem Alkali, Meta-mtroacetanilid löst sich ebenso wie Acetanilid nicht darin auf.
Man ersieht aus diesen Beispielen 2 , deren Zahl leicht erheblichvermehrt werden könnte, dass ein Substituent des Benzolkerns in seinem
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Vgl. auch Armstrong, Journ. Soc. 51, 258, 583 (1887).- Crüm Brown u. Gibson, Journ. Soc. 61. 367 (1892).Vgl. auch Lehmann, Ber. 17, 2719 (1884).
Morley, ebenda,