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Die leichte Substituirbarkeit der aromatischen Verbindungen.
deren Nitrogruppe vermittelst des Stickstoffatoms an Kohlenstoff ge-kettet ist:
C 6 H 6 + OH-N0 2 = H,0 + C 6 H 6 -N0 2 .
Das Gleiche gilt für den Eintritt der Sulfogruppe; bei Behandlung mitstarker Schwefelsäure, werden Wasserstoffatome durch die Sulfogruppeersetzt (vgl. 12. Kapitel); es entstehen Sulfosäuren, welche Schwefelin directer Bindung mit Kohlenstoff enthalten:
C 6 H 5 Br + S0 4 H 2 = C 9 H 4 fSO a H)Br + H 2 0.
Diese beiden Reactionen sind fast durchaus allgemein und verlaufenin der Regel ausserordentlich glatt; es ist geradezu als Ausnahmefallzu bezeichnen, wenn Verbindungen der aromatischen Reihe nicht ,,nitrirt"und .,sulfurirt" werden können.
Umgekehrt gelingt die directe Einführung von Nitro- und Sulfo-gruppen bei Verbindungen der Fettreihe durch Behandlung mit Salpeter-säure oder Schwefelsäure nur in seltenen Fällen und auch dann nurwenig glatt; für die Herstellung von aliphatischen Nitroderivaten undSulfosäuren ist man fast stets genöthigt, Umwege einzuschlagen. Dieinteressante neuere Beobachtung 1 , dass sich auch aliphatische Kohlen-wasserstoffe unter gewissen Bedingungen „direct" nitriren lassen, ändertan dieser fundamentalen Verschiedenheit nichts; denn diese Nitrirungerfordert längeres Erhitzen mit verdünnter Salpetersäure unter Druck auf130 —140°, während die Nitrirung aromatischer Verbindungen in derRegel so energisch verläuft, dass Kühlung zur Verhütung eines gar zustürmischen Verlaufs nothwendig ist.
Man darf daher auch heute wohl noch sagen, dass sich aliphatischeund aromatische Verbindungen in Bezug auf Nitrirbarkeit und Sulfurir-barkeit geradezu gegensätzlich verhalten.
Aber auch bei anderen Substitutionsvorgängen sind deutliche Diffe-renzen zu constatiren, welche die aromatischen Verbindungen als imAllgemeinen leichter substituirbar erscheinen lassen; nur handelt essich dann nicht um gegensätzliche, sondern mehr um gradweise Ver-schiedenheiten. Der directen Substitution durch Halogen sind ja auchviele Fettkörper verhältnissmässig leicht zugänglich; allein die „Bro-mirung" tritt in der Fettreihe doch keineswegs so spielend leicht ein,wie bei vielen aromatischen Verbindungen; so wird das Phenol C 6 H 6 (OH)z. B. schon durch die verdünnte wässrige Lösung des Broms fastaugenblicklich in ein Tribromsubstitutionsprodukt übergeführt. Unter derEinwirkung von Aluminiumchlorid ferner erweisen sich sehr viele aro-matische Verbindungen als durch Kohlenwasserstoffreste oder Säure-reste leicht substituirbar (FEiEDEL-ÜRAFTs'sche Reation, vgl. S. 97):
C 6 H 6 + C 2 H 5 -Br = C 8 H 5 .C 2 H 6 + HBrC 6 H 6 (0-C 2 H 6 ) + CIVCOCl = CH 3 -CO-C 6 H 4 rO-C a H 5 ) + HCl,
1 Vgl. Konowalow, Compt. rend. 114, 26 (1892). Vgl. auch Ber. 27 o, 469 (1894).