1530
Osotetrazine.
I. 1.2.3.4-Tetrazin-Körper.
Das 1.2.3.4-Tetrazin — Formell, S.1529— selbst zu gewinnen, istbisher nicht gelungen 1 . Man kennt indessen Abkömmlinge seines 2.3-Dihydrids 2 — Formel IV, s. u. —, die man wegen ihrer Herstellbar -
IV)
HC:N-NHHC: N-NH '
keit aus Osazonen (vgl. Bd. I, Tl. II, S. 827) Osotetrazine (früher Oso-tetrazone) zu nennen pflegt, v. Pechmann entdeckte 1888 die Bildungdieser Verbindungen durch Einwirkung von Oxydationsmitteln auf dieOsazone von einfachen aliphatischen oder fettaromatischen 1.2-Dicarbonyl-Körpern, z. B.:
CHs-ChN-NH-CÄ
CH 3 -C:N-NH-C 6 H 5
+ 0 = H 2 0 +■
CH 3 .C:N-N-C 6 H 5CH 3 .C:N-NC 8 H.
(A)
Eine weitere, in einigen Fällen von Dieckmann u. Piatz beobachtete Bildungs-weiae besteht in der Chlorwasserstoff-Entziehung aus den Osazonen des Chloi'glyoxalsoder seiner Homologen durch Einwirkung von Alkali, z. B.:
HC:N-NH-C 6 H 5C1C:N-NH-C B H,
HCl
HC:N-N-C 6 H 6
HC:N-N-C 6 H 5
(B)
Die Osotetrazine vereinigen sich mit Chlorwasserstoff nicht zu Salzen.Durch Reduktionsmittel — besonders glatt durch Phenylhydrazin —werden sie wieder zu Osazonen aufgespalten. Ihre bemerkenswertesteEigenschaft ist schon S. 561 — 562 mitgeteilt: die Leichtigkeit, mitder sie beim Kochen mit verdünnten Säuren unter Abspaltung einerGruppe X-N< und Ringverengerung in Abkömmlinge des 1.2.3-Triazols(„Osotriazole") übergehen (s. S. 562 Formelreihe B).
2.3-Diphenyl-1.2.3.4-tetrazin-dihydrid-(2.3) (Glyoxal-phenylosotetra-zin) wird nach Gleichung B (s. o.) oder durch Oxydation von Glyoxal-phenylosazon[—CH:N'NH'C 6 H 5 ] 2 erhalten, krystallisiert aus Alkohol in dunkelroten Blättchenund schmilzt bei 152°. — Das entsprechende Dibenzoyl-Derivat des Tetrazin-dihydrids geht so leicht unter Ringverengerung in das Monobenzoyl-Derivat des2-Amino-1.2.3-triazols über (s. S. 566, Formelreihe K), daß es nicht gefaßt werdenkonnte.
1 Vergebliche Versuche: v. Pechmann, W. Bauek, B. 42, 659 (1909).
2 Vgl: v. Pechmann, B. 21, 2751 (1888); 30, 2461 (1897). A. 262, 269, 291(1891). — Anschütz, Patjly, B. 28, 66 (1895). — v. Pechmann, W. Baüek, B. 33, 644(1900); 42, 659 (1909). — Dieckmann, Platz, B. 38, 2986 (1905). — Stolle, J. pr. [2]68, 469 (1903); 70, 433 (1904); 78, 544 (1908).
Über Verbindungen, die zur Beihe des 1.2.3.4-Tetrazins gerechnet werden,s. auch: W. H. Pi:ekin, Soc. 83, 1227, 1253 (1903). — Bülow, B. 51, 402 (1908).