Gyclisohe Ureide der Pyrimidin-R&ihe.
1183
ständnis der ganzen Gruppe mächtige Förderung erfuhr (vgl. S. 1172).Als Beispiele der Verbindungen, die in diesen älteren Untersuchungeneine bedeutende Rolle spielen, seien schon hier das Alloxan und dieBarbitursäure genannt; im Sinne der Formeln III und IV (s. u.) könnenwir sie heute als Tetraoxo- bzw. Trioxo-pyrimidin-hexahydrid bezeichnen.
CO
HD HN n°°,
ocl^^Jco '
CO
HNf^NCH,
IV) 1
oo^^Jco
NH
NH
(anhydrisches Alloxan)
(Barbitursäure)
Das Alloxan entsteht direkt durch Oxydation der Harnsäure, diewir heute gemäß Formel V (s. u.) als Trioxo-Derivat eines hexa-hydrierten Purins (vgl. S. 1172 Formel II) auffassen dürfen. Vergleichtman Formel V mit III, so erkennt man, daß bei der Bildung desAlloxans die Imidazol-Hälfte des Purin-Kerns zerstört wird, die Pyri-
V)
CO
HNf^C—NH
Ocl^Jc—NH-NH(Harnsäure)
>CO
VI)
CO
OcL^JjC-CHjNH(Methyl-uracil)
midin-Hälfte erhalten bleibt. Als man sich in späterer Zeit bestrebte,die Harnsäure synthetisch aufzubauen, wurde dieses Ziel auf dem um-gekehrten Wege erreicht, d. h. indem man cyclischen Ureiden derPyrimidin-Reihe einen Imidazol-Ring angliederte. So gewannen nunmehrdie Pyrimidin-Körper als Zwischenglieder des Aufbaus eine neue Be-deutung für das Harnsäure-Problem. Die erste glatte Synthese nahmihren Ausgang von der aus Acetessigester und Harnstoff leicht erhält-lichen Verbindung VI, die von Robeet Behebnd entdeckt, Methyl-uracilgenannt und in ausgezeichneten Untersuchungen seit 1885 eingehendbearbeitet wurde.
Den anfänglich nur synthetisch erhaltenen Verbindungen vom Typusdes Uracils (Dioxo-pyrimidin-tetrahydride) begegnete man später alsProdukten der Hydrolyse von „Nucleinsäuren" (vgl. Bd. I, Tl. II, S. 948) —Stoffen, denen eine besondere Lebenswichtigkeit zukommt, da sie in
NH
VII)
Verbindung mit Proteinen sich am Aufbau der Zellkerne beteiligen.In den Jahren 1893—1900 wurden das Uracil selbst (rTormel VII), ein
CO
CO
C
HNV^NCH
HNr^>,C-CH a
HNr"' Nch
OcL^JicH '
VIII) OCM'CH ■ '
IX)
OC^^JJCH
NH
NH
NH
(Uracil)
(Thymin)
(Cytosin)