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vollkommenste Methode ist das Strontianverfahren, bei welchem der Zucker zu-nächst durch Kochen der etwas verdünnten Melasse mit überschüssigem Strontium-hydroxyd als Bistrontiumsaccharat C 12 II 22 O u , 2SrO ausgefällt wird; dieses Saccharat ist,obgleich in heissem Wasser löslich, in heisser Strontianlösung fast unlöslich und kanndaher mit letzterer ausgewaschen werden; es wird dann mit kaltem Wasser (unterhalb15°) zusammengebracht und zerfällt dabei in Zucker und Strontianhydrat; von denabgeschiedenen Strontiankrystallen wird die Lösung getrennt, der Rest des Strontiansaus der Lösung durch Kohlensäure gefällt, die strontianfreie Zuckerlösung im Va-cuum eingedampft. Der wiedergewonnene Strontian wird natürlich immer wiederbenutzt, das Strontiumcarbonat durch Glühen und Löschen in Strontian verwandelt;man verliert auf 100 Th. Melasse etwa 4—4'/a Th. Strontianit. — Auch als Barium-saccharat lässt sich der Zucker abscheiden; theils wegen der Giftigkeit, thcils wegender höchst schwierigen Bcgenerirung der Bariumverbindungen hat dieses Verfahrenaber nur wenig Anwendung gefunden.
Unter den nicht zuckerähnlichen Polysacchariden sind Stärke undCellulose für die Technik wichtig.
Stärke 1 wird in grosser Menge aus Kartoffeln, Weizen. Reis,Mais und einigen tropischen Pflanzen abgeschieden. Für Deutschland-ist der billigste Eohstoff die Kartoffel; die Gewinnung der Stärke dar-aus ist eine einfache, nur mechanische Operation. Die Kartoffelnwerden gewaschen, dann zerrieben; der Kartoffelbrei gelangt dann aufeine Reihe von terrassenförmig aufgestellten Rüttelsieben (oder ähnlicheApparate), auf welchen er mit Wasser angespritzt wird, um die Stärkeaus den geöffneten Zellen herauszuwaschen; die Zelltrümmer und„Schwarten" bleiben auf dem Sieb zurück und werden als Viehfutter(„Pulpe") verwendet. Die feinen Stärkekörner gehen mit Wasser alsStärkemilch durch die Maschen des Siebes; nach gehörigem Auswaschenwird dann die Stärke langsam getrocknet. — Weizen ist zwar vielreicher an Stärke als Kartoffeln; aber die Abscheidung der Stärke isthier schwieriger, weil die Stärkekörner mit stickstoffhaltigen Substanzen— Eiweissstoffen, Kleber — innig verwachsen sind; man überlässt inder Regel den Brei, der durch Zerquetschen der eingeweichten Weizen-körner erhalten wird, einer Gährung („Sauerverfahren"), durch welcheder Kleber gelöst wird, während die Stärke kaum angegriffen wird; dieStärke wird dann ausgewaschen und getrocknet. — Reis 2 ist am reichstenan Stärke, aber am schwierigsten zu verarbeiten; man löst die Stoffe,welche die Stärkekörner des Reis fest mit einander verkitten, durchBehandlung mit schwacher Natronlauge. — Arrow-root ist eine in denTropenländern aus Maranta-Arten gewonnene Stärke. — Sago wird ausdem Mark der Sagopalme, jetzt aber auch vielfach aus Kartoffelstärkehergestellt, indem man die gekörnte feuchte Stärke auf eine heisse
1 Vgl. Ost, Lehrb. d. techn. Chem. (Berlin, 1893), S. 393 ff. — F. Fischer,Handb. d. chem. Technologie (Leipzig, 1893), S. 836 ff. — Saakb, Jahresbericht d.chem. Technologie 1891, S. 818 ff.
2 Vgl. Beuger, Cöthener Chem. Ztg. 1890, 1440, 1557, 1571.