Druckschrift 
1 (1893) Allgemeiner Theil - Verbindungen der Fettreihe
Entstehung
Seite
820
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

: fi*'

L

I

*

W

820

Zucker säuren; Sehleimsäure, Alloschleimsäure

zucker mit Salpetersäure beobachtet und vielfach untersucht worden; man gewinntsie am besten durch Erhitzen von Stärke mit Salpetersäure und reinigt sie durchKrystallisation ihres sauren Kaliumsalzes. Die freie Säure bildet einen Syrup, derallmählich zu den bei 130—132° schmelzenden Krystallen der ZuckerlactonsäureC e H 8 0 7 = C0 2 H-CH(OH)-CH-CH(OH)CH(OH) erstarrt; letztere reducirt nicht F»-

O-

■-co

LiNa'sche Lösung und ist rechtsdrehend. ' Für die Zuckersäure charakteristisch ist ihr.schwer lösliches saures Kaliumsalz C 6 II 9 0 8 K, welches in Nadeln krystallisirt und89 Th. Wasser von 7° zur Lösung bedarf. Durch Einwirkung von Acetylchloridliefert Zuckersäure ein Diacetyldilacton C„H 4 O 4 (0 • CO • CH 3 ) 2 , welches bei 188°schmilzt; das Dihydrazid der Zuckersäure schmilzt gegen 210° unter Zersetzung. —/-Zuckersäure 2,3 ist ebenfalls durch das schwer lösliche saure Kaliumsalz, das demSalz der d-Zuckersäure zum Verwechseln ähnlich, aber optisch entgegengesetzt ist, be-sonders charakterisirt; 1 Th. desselben bedarf bei 15° 68 Th. Wasser zur Lösung. —«-Zuckersäure 2 liefert ein ebenfalls schwerlösliches saures Kaliumsalz, das aber, ab-gesehen von der optischen Inactivität, auch schon durch die äussere Form von denactiven Salzen unterschieden werden kann.

8. Schlennsäure, Alloschleimsäure und Talosclileimsäure. Oie

gewöhnliche Schleimsäure — schon von Scheele 1780 durch Oxy-dation des Milchzuckers erhalten — ist das Oxydationsprodukt dos Dul-cits, der Galactosen und Galactonsäuren. Sie ist optisch inactiv undrauss als eine durch intramoleculare Compensation inactive Modifikationaufgefasst werden 4 , da sie sowohl aus e?-Galactose wie aus Z-Galactose

— also aus zwei einander optisch entgegengesetzten Verbindungen vonunsymmetrischer Structur CHO-{CH-OH| 4 -CH 2 (OH) durch Oxydation ent-steht, umgekehrt aber durch Reduction die racemische, spaltbare z'-Ga-lactonsäure (e?-Galactonsäure + /-Galactonsäure) liefert (vgl. S. 783), fernerauch bei der Krystallisation ihrer Salze mit optisch activen Alkalosen sichals nicht spaltbar erweist (vgl. auch über die Configuration der Schleim-säure S. 912). Beim Erhitzen mit Pyridin verwandelt sie sich theilweisein die Alloschleimsäure, welche ihrerseits wieder durch Erhitzen mitPyridin theilweise in gewöhnliche Schleimsäure übergeht (vgl. S. 772);auch die Alloschleimsäure ist inactiv. Die Taloschleimsäure endlichist das Oxydationsprodukt der Talose und Talonsäure, ist optisch activund kann durch Erhitzen mit Pyridin theilweise in gewöhnliche Schleim-säure verwandelt werden.

1 Tiiommsdorf, Ann. 8, 36 (1833). — Guerin, ebenda, 24. — Thaui.ow, Ann.27, 113 (1838). — Hess, Berz. Jb. 18, 277 (1839). — Liebio, Ann. 113, 4 (1860). -Heintz, Ann. 51, 183 (1844). Pogg. 105, 211 (1858); 111, 165, 291 (1860). —IIoknemann, Jb. 1863, 881. — Baltzeb, Ann. 149, 237 (1868). — KilU.ni, Ber. 1*>'252!» (1881). — A. IIerzfei.o, Ann. 220, 354 (1883). — Maquenne, Bull. 48, 719 (1887).

— Sohst u. Tollens, Ann. 245, 1 (1888). — SchröTTBB, Monatsli. 9, 442 (1888). -E. Fischeh u. 1'iloty, Bot. 24, 521 (1891).

2 E. Fischeh, Ber. 23, 2621 (1890).

3 E. Fischer u. Stahei,, Ber. 24, 534 (1891).

4 E. Fischer u. IIeictz, Ber. 25, 1247 (1892). - Ruhemann u. Dufton, .'"' u '"-Soc. 59, 753 (1891).