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Kurzgefasstes Lehrbuch der Chemie : für Mediziner und Pharmazeuten ; organischer Teil
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Digitalin.

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Digitalin ist das wirksame Prinzip sowohl der kurz vor derBlüte gesammelten Blätter als auch der Samen der wildwachsendenDigitalis purpurea. Die betreffenden Präparate sind jedoch meistGemenge verschiedener Digitalisbestandteile und auch teilweise derenZersetzungsprodukte. Die Art und das Mengenverhältnis sowie diechemischen, physikalischen und physiologischen Eigenschaften (verlang-samende Aktion auf die Herztätigkeit) der in den käuflichen, als Digi-talin bezeichneten Präparaten enthaltenen Bestandteile sind sehr ver-schieden. Die hauptsächlichsten Handelsprodukte sind: 1. deutschesDigitalin, ein amorphes, in Wasser und Alkohol leicht, in Chloroformaber schwer lösliches Präparat aus Digitalissamen; 2. französischesDigitalin oder Digitalin von Homolle, ein mehr oder weniger kristalli-nisches oder kristallisiertes, in Wasser und in Alkohol schwerlösliches,in Chloroform dagegen leicht lösliches, aus Digitallisblättern hergestelltesProdukt. 3. Digitalin von Nativelle oder das kristalisierte Digitalin,welches physiologisch die stärkste Wirkung zeigt. Es wird aus Digitalis-blättern erhalten und stellt weisse, feine, lockere, glänzende Nadelnvon neutraler Reaktion dar, ist geruchlos, entwickelt erst langsameinen bitteren, an die Pflanze erinnernden Geschmack. In Wasser istes kaum löslich. Die Digitalisbestandteile sind sämtlich stickstofireiund gehören ihrer chemischen Natur nach teils zu den Bitterstoffen,teils zu den Glycosiden.

Der wirksamste Bestandteil der Digitalisblätter ist das Digitoxin,C^H^Ojj, aus welchem im wesentlichen das kristallisierte Digitalin vonNativelle besteht. Farblose, perlmutterglänzende Nadeln oder blättrigeKristalle, in Wasser, Benzol und Schwefelkohlenstoff unlöslich, in Aetherschwer löslich, in Alkohol und Chloroform leicht löslich. Digitoxinwird durch Salzsäure von spez. Gew. 1,19 in der Kälte farblos, beimgelinden Erwärmen mit grüner bis bläulichgrüner Farbe gelöst. BeimUebergiessen von 1 T. Digitoxin mit 10 T. eines Gemisches von 8 T.50°/ 0 igem Alkohol und 2 T. Salzsäure vom spez. Gew. 1,19 geht es inDigitoxigenin und in die Zuckerart Digitoxose über:

C 3 4Hs4Ü n + H,0 = C^HsA + 2C 8 H 12 0 4Digitoxin Digitoxigenin Digitoxose.

Digitoxinum solubile, ein aus Digitalisblättern dargestelltes Prä-parat, ist ein weisses amorphes Pulver von grösserer Löslichkeit inWasser und grösserer Diffusionsfähigkeit als das Digitoxin; es sollschneller wirken als das Digitoxin und nur geringe Reizerscheinungenzeigen.

Digitalen ist eine wässerige, 25% Glyzerin enthaltende Lösungdes Digitoxinum solubile, von der 1 ccin 0,3 mg davon (= 0,15 g Fol. Digi-talis) enthält.