588 Alkaloide.
Kinde derselben vor. Sie finden sich in den einzelnen Pflanzen-teilen im allgemeinen nicht frei, sondern an Säuren gebunden,in Form von Salzen, mit Ausnahme der Basen der Angostura-rinde, des Hydrastins und einiger anderer schwach basischerAlkaloide.
Betreffs der Entstehung der Alkaloide im pflanzlichenOrganismus lässt sich zurzeit nur sagen, dass die Bildungs-weise keine einheitliche, d. h. für alle Pflanzen in gleicherWeise in Betracht kommende sein kann. Es müsseu vielmehrdabei sehr verschiedenartige, von der chemischen Natur derbetreffenden Base abhängige Prozesse in Betracht kommen.
Bezüglich der Bedeutung der Alkaloide für die Pflanzensollten nach der älteren, besonders von Heckel und Schlag-denhaufen vertretenen Ansicht die Alkaloide bei der Keimungund Entwickelung der jungen Pflanze verbraucht werden, die-selben somit der Pflanze als Nährstoff dienen, während nachder neueren Ansicht von Clautriau, welche auch den tat-sächlichen Verhältnissen entsprechen dürfte, die Alkaloide alsAbfaOr oder als Ausscheidungsstoffe, die für das Wachstum derPflanze an sich wertlos sind, zu gelten haben Sie werden vonder Pflanze an geeigneten Stellen aufgespeichert, um ihr alsSchutzstoffe gegen den Eingriff' von Insekten und von anderenTieren zu dienen.
Darstellung: Die Alkaloide werden je nach ihren chemischenund physikalischen Eigenschaften verschieden gewonnen. Dieflüchtigen erhält man gewöhnlich nach einer genügenden Zer-kleinerung der betreffenden Vegetabilien und nach einem Zu-sätze von Aetznatronlösung oder von Kalkmilch durch Destillationmit Wasserdämpfen. Es werden dann aus dem wässerigen De-stillat die im freien Zustande befindlichen Basen in geeigneterWeise abgeschieden. Die nicht flüchtigen oder doch nur sehrschwer flüchtigen Alkaloide entzieht man im allgemeinen denPflanzenteilen durch Extraktion mit angesäuertem Wasser oderAlkohol. Aus den so erhaltenen Auszügen werden, nach vor-aufgegangener Konzentration, manchmal auch nach vorherigerAusfällung der von Alkohol befreiten Auszüge mit Bleiacetatund darauffolgender Behandlung der Filtrate mit Schwefelwasser-stoff oder verdünnter Schwefelsäure, die Basen durch Zusatzvon ätzenden oder kohlei^auren Alkalien, oder durch Aetzkalkoder gebrannte Magnesia abgeschieden und die hierdurch ent-stehenden Niederschläge, welche die freien, in Wasser schwerlöslichen Basen enthalten, durch Umkristallisieren aus Alkohol,Aether, Chloroform u. dgl. gereinigt. Die wenigen in Wasser