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Kurzgefasstes Lehrbuch der Chemie : für Mediziner und Pharmazeuten ; organischer Teil
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Aetherische Oele.

In den betreffenden Pflanzen werden also die ätherischenOele im Organismus derselben zur Sicherung des Fortbestandesder Pflanze aufgezehrt, während in vielen Fällen die ätherischenOele auch der Pflanze als Schutzstoffe dienen dürften, bisweilenauch als Anlockung von Insekten, z. B. in den Blüten.

Die Pflanzen der verschiedenen Familien, ja häufig sogardie Vertreter ein und derselben Pflanzengattung enthalten einensehr verschiedenen Gehalt an ätherischem Oel. So hat manaus den Pflanzen der Familie der Kryptogamen und der Palmenbisher ätherische Oele nicht in grosser Menge dargestellt, ebensonicht in erheblicher Menge aus Lebermoosen und Farnen. Vonden Phanerogamen sind dagegen die Familien der Aurantia-ceen, der Umbelliferen, der Labiaten, der Eucalypteen, derMyrtaceen, der Coniferen, der Cruciferen, derEutaceen besondersreich an ätherischem Oel. Die Menge und die Beschaffenheitder ätherischen Oele wird auch durch das Klima, den Boden,das Alter, die Art der Entwicklung und das Entwickelungs-stadium der Pflanze, die Jahreszeit, die Stärke der Belichtung,sowie die Art der Gewinnung beeinflusst. So unterscheidet sichdas ätherische Oel frischer Pflanzenteile häufig von solchem nachvorhergegangenem Trocknen der Pflanzenteile, wobei durchEnzymwirkung manchmal neues ätherisches Oel gebildet wird.Die einzelnen Pflanzenteile enthalten das ätherische Oel gewöhn-lich in besonderen Zellen, Oeldrüsen oder Sekretbehältern. Die-selben liegen zerstreut im Zellgewebe oder auf der Oberflächeder Blätter oder sie kommen als Endzellen von Haaren vor.

Die ätherischen Oele werden gewöhnlich in der Weise ge-wonnen, dass genügend zerkleinerte Pflanzenteile im frischenoder getrockneten Zustande in Destillierblasen mit Wasser odermittels gespannter Wasserdämpfe destilliert werden. Einigeätherische Oele, die besonders reichlich in den betreffendenPflanzenteilen vorkommen und bei denen die Feinheit des Ge-ruches durch die Destillation leidet, gewinnt man durch Aus-pressen, z. B. die ätherischen Oele der Früchte der verschiedenenCitrus-Arten. Sind ätherische Oele nur in sehr geringer Mengein den betreffenden Pflanzenteilen enthalten, so werden sie auchdadurch gewonnen, dass die Riechstoffe der Pflanzenteile mitFett, fettem Oel, auch mit Vaseline extrahiert werden.

In dem bei der Darstellung der ätherischen Oele durchDestillation mit Wasserdämpfen erhaltenen wässrigen Destillatekommen manchmal kleine Mengen von freien Fettsäuren, wieAmeisensäure, Essigsäure, Buttersäure usw. vor, zuweilen auchgeringe Mengen von Methyl- und Aethylalkohol, wahrscheinlichZersetzungsprodukte zusammengesetzte]', in den betreffenden