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Kurzgefasstes Lehrbuch der Chemie : für Mediziner und Pharmazeuten ; organischer Teil
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Aethyläther.

die Richtigkeit des 1842 von Gerhardt aufgestellten Satzes, dass das Aether-molekül doppelt soviel Kohlenstoffatome enthalte, wie der Alkohol, was bisdahin bezweifelt worden war, weil der Siedepunkt des Aethers erheblichniedriger liegt, als der des Alkohols. Williamson klärte auch die Bildungdes Aethers aus Schwefelsäure und Alkohol auf. Die anästhetisierende Wir-kung der Aetherdärapfe beim Einatmen beobachtete 1842 Charles Jacksonin Boston. Seit 1846 wird er nach Mortons Vorgang zu Narkosen beichirurgischen Eingriffen verwendet.

Die Darstellung des Aethers erfolgt in der chemischenGrosstechnik. Ein Gemisch von 9 T. Schwefelsäure und 5 T.Alkohol von 96°/ 0 wird auf 140145° erhitzt. Man lässt dannAlkohol zufiiessen, derart, dass das Sieden nicht unterbrochenwird und etwa soviel Alkohol nachfliesst, wie Aether über-destilliert. Man benutzt also die oben unter 1, S. 92 angegebeneBildungsweise. Aus Alkohol und Schwefelsäure entsteht, wennauch nie vollständig, Aethylschwefelsäure:

C 2 H,.OH + S0 4 H 2

H 9 0

+ SO.H C 2 H,

Die heisse Aethylschwefelsäure reagiert mit demzufliessendenAlkohol unter Bildung von Aether und Rückbildung von Schwefel-säure, die nun mit neuem Alkohol Aethylschwefelsäure liefern kann^

SO.

AI

+ C 2 H 5 OH = S0 4 H 2 +

4 -C 2 H 5

Wenn es trotzdem praktisch nicht gelingt, mit einer ge-gebenen Menge Schwefelsäure eine beliebige Menge Alkohol inAether zu verwandeln, so liegt das daran, dass bei dem Prozesseder Aetherbildung Wasser entsteht, das nur zum Teil überdestilliert,zum Teil aber sich der Schwefelsäure beimischt. Da Wasserdie Aethylschwefelsäure verseift, werden die Chancen für dieNeubildung der Aethylschwefelsäure immer kleiner, je weiterdie Aetherbildung, und damit die Verdünnung der Schwefelsäurevorschreitet.

Mangelt es an Alkohol, so entsteht Aethylen:

SO.

H

^C 2 H 5 = 80 « H »

Aethylschwefelsäure

+

Aethylen.

Das Aethylen polymerisiert im Status nascens zum Teil infestes Aetherin und flüssiges Aetherol. Daneben entstehen Schwefel-dioxyd, Kohlendioxyd, Schwefligsäureäthylester und Schwefel-säureäthylester. Ein Gemisch dieser Stoffe ist das bei der Rekti-fikation des Aethers abfallende schwere, Welnöl.

Das Destillat besteht aus zwei Schichten. Der von derunteren wässrigen Schicht abgehobene Aether ist mit Wasser,Alkohol, schwefliger Säure und den anderen oben genanntenStoffen verunreinigt. Man lässt ihn mehrere Tage mit gebranntemKalk stehen, der das Wasser, die schweflige Säure und den