2 Qualitative Analyse
Schwefelverbindungen betrachten, so sind dafür wesentlich didak-tische Gründe massgebend. Erstens ist die Zahl der organischenStoffe eine vielmals grössere, als die der Verbindungen sämt-licher übrigen Elemente zusammen. Die Einschiebung derorganischen Stoffe bei dem Kohlenstoff würde die Uebersichterschweren und die Betrachtung der übrigen Elemente unliebsamunterbrechen. Zweitens sind die organischen Stoffe erheblichweniger widerstandsfähig gegen die Einwirkung von Agentien,als die meisten anderen Verbindungen. Insbesondere zeigt sichdies in dem Verhalten gegen hohe Temperaturen. Drittens end-lich zwingt dazu das Auftreten von Isomerieerscheinungen,welche bei den übrigen Elementen nicht oder wenigstens nichtannähernd in dem Masse beobachtet werden wie bei dem Kohlen-stoff. Welche erhebliche Rolle die Isomerie bei den Kohlenstoff-verbindungen spielt, möge die Tatsache illustrieren, dass dasLexikon der Kohlenstoffverbindungen von Richter 87 Stoffe vonder Formel C,,H 10 O3 aufführt, die zu Anfang des Jahres 1901bekannt waren.
Elementarzusannnensetziuig organischer Stoffe.
(Jualitative Zusammensetzung. Die organischen Stoffe, welchein der Natur vorkommen, sind Verbindungen des Kohlenstoffsmit Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff oder einzelnen dieser Ele-mente; in manchen ist auch Schwefel oder Phosphor enthalten.Lediglich aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen die Kohlen-wasserstoffe, die z. B. im Erdöl naturell vorkommen. Aus Kohlen-stoff, Wasserstoff und Sauerstoff sind beispielsweise die Pflanzen-säuren zusammengesetzt; Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoffbilden die Blausäure, das Pyridin, das Anilin, während dieMehrzahl der naturell vorkommenden Pflanzenbasen ausserdemnoch Sauerstoff enthalten, Schwefel kommt als Bestandteil derEiweisskörper, des Senföls, Phosphor in den Nukleincn vor. Inkünstlich hergestellte organische Verbindungen lassen sich dieHalogene und fast alle übrigen Elemente einfügen, nur vonwenigen Elementen sind Kohlenstoffverbindungen nicht bekannt.
(Qualitative Analyse. Einen analytischen Gang, wie für dieAnalyse anorganischer Stoffe, besitzen wir für die organischenVerbindungen nicht. Meist stellt man vielmehr die An- oderAbwesenheit jedes einzelnen Elementes in besonderen Substanz-proben fest. Der Gehalt eines Stoffes an Kohlenstoff zeigt sichvielfach schon beim trocknen Erhitzen desselben. Die Substanzverkohlt, oder sie entwickelt Dämpfe, welche man durch ihren