Calciumsulfide.
459
frei von Spannungen bleibt und seine Elasticität behält. Allzu lang-sames, in der Nähe der Erweichungstemperatur länger verweilendes Ab-kühlen bewirkt das „Entglasen", d. h. das Krystallinisch- und dadurchMattwerden des Glases, wobei sich mikroskopische Krystalle bilden,welche mit verschiedenen natürlichen Silicaten identisch sind. Wenndurch die Atmosphärilien das Alkali, besonders des alkalireichen Glases,ausgewaschen wird, so „erblindet" das Glas, indem es sich mit einemUeberzug von Calciumsilicat überzieht; durch Erhitzen mit Salzsäureunter hohem Druck tritt das Erblinden rasch ein.
Das Bleiglas (Flintglas, Strass, Krvstallglas), als DoppeltrisilicatPbO.3 Si0 2 + K s 0.3 Si0 2 mit 53"4 Si0 3 ;' 32-7 PbO und 13<S K 2 0, odervon ähnlichen Zusammensetzungen, ist farblos, leichter schmelzbar alsdas Kalkglas, weicher und daher leichter zu schleifen. Ereilich ist esauch gegen chemische Einflüsse empfindlicher. Es besitzt starkes Licht-brechungsvermögen, weshalb man es zu optischen Gläsern, besondersLinsen, verwendet; durch Zusatz von Thallium, Borsäure, Phosphorsäureund Fluoriden sucht man seine Eigenschaften je nach der Benutzungnoch zu modificiren. Wegen seines Glanzes braucht man es für Luxus-gegenstände; sein schöner Klang macht es geeignet zu Trinkgläsern.
Durch Zusatz von Knochenasche oder Phosphorit zu dem gewöhn-lichen Natronglas wird dasselbe undurchsichtig und man erhält das„Milchglas"; ähnliche Gläser bekommt man auch beim Zufügen vonZinnoxyd, Kryolith, Flussspath n. s. w. Die Emailgläser sind zinn-oxydhaltige Bleialkalisilicate; bisweilen ist auch Bleiarseniat und Aehn-liches in ihnen vorhanden. Das oberflächliche Mattätzen des Glases wirddurch sehr verdünnte Flusssäure ausgeführt. Durch Auflösen von Me-tallen oder Metalloxyden in der geschmolzenen Glasmasse, wobei sichgefärbte Doppelsilicate bilden, entstehen gefärbte Gläser; dabei ver-wendet man Eisenoxydul für das gewöhnliche Grün der Flaschen, Eisen-oxyd und Braunstein für Braungelb und Braun, Chromoxyd für einlebhaftes Grün, Kupferoxyd für mattes Blaugrün, Kobaltoxydul für in-tensives Blau, Manganoxyd für violettes Glas; schwarze Gläser resultirendurch Zusatz von sehr viel Kobalt, Eisen, Kupfer u. s. w. Mit Hilfevon Goldsalzen fabricirt man das Goldrubinglas; mit Kupfer das rotheKupferrubin; Aventurin ist ein von zahlreichen kleinen, glänzendenKupfcrkryställchen durchsetztes buntes Glas.
Schwefelverbindungen des Calciums.
Schwefelcalcium, Calciummonosulfid, CaS, erhält mandurch Glühen von Calcium sulfat mit Kohlenpulver oder im Wasserstoff-strom. Es entsteht auch, wenn man ein Gemisch von Schwefelkohlen-stoff und Kohlendioxyd über glühenden Kalk leitet; Calciumoxydhydratgeht im Schwefelwasserstoffstrom schon bei 60° in Sulfid über. DasSchwefelcalcium ist eine weisse, amorphe Masse, die sich in W'asser zwarnicht löst, aber langsam mit demselben zu Calciumoxydhydrat und Cal-ciumsulfhydrat zersetzt. Im Dunkeln leuchtet das Schwefelcalcium, wennes vorher dem Lichte ausgesetzt war. —■ Die „Sodarückstände" desLeblancprocess bestehen wesentlich aus Calciumsulfid, und werden ent-
I I
m
M
■ :■-:**■
►Jl