Kalk.
451
die Ausführung dieser chemischen Operation nennt man „Löschen desKalks". Das so erhaltene Kalkhydrat bildet, indem der Kalk beimLöschen gewöhnlich zerfällt, ein lockeres weisses Pulver, den „gelösch-ten Kalk", vom specif. Gew. 2"08. In Wasser ist derselbe schwerlöslich, in der Kälte noch leichter als in der Wärme, indem 100 Theiledesselben bei 15° = 0"15 Theile und bei 100° = 0-07 Theile Calcium-oxyd zu einer alkalisch reagirenden Lösung, dem Kalkwasser aufnehmen.Trägt man in ein bestimmtes Wasserquantum mehr Kalkhydrat<'in, als sich darin lösen kann, so erhält man einen alkalischen Kalk-brei, bei geringerer Consistenz auch die Kalkmilch genannt. Der Kalkist eine starke Base und gibt mit Säuren die Calcium salze. AufGrund seiner basischen Eigenschaften findet das Kalkhydrat Verwen-dung für die Darstellung von Chlorkalk, von Alkalien und Ammoniak,in der Industrie der Fette und des Zuckers, in der Gerberei. DasKalkwasser zieht aus der Luft Kohlendioxyd an und trübt sich dannunter Abscheidung von Calciumcarbonat, weshalb es auch als Reagenzzum Nachweis des Kohlendioxyds benutzt wird.
In Folge der Anziehung von Kohlendioxyd aus der Luft bildetder Kalkbrei allmählich eine steinharte Masse, worauf die uralte Ver-wendung des Kalks zu „Mörtel" beruht. Als solchen bezeichnet manganz allgemein die Bindemittel, welche zum Zusammenhalten oderäusseren Verputz der Bausteine dienen. Der gewöhnliche Luft mörtelist ein Gemisch von Kalkbrei mit Quarzsand; das Erhärten findet zu-nächst durch Eintrocknen des Gemisches statt, dann aber, und diesesist das wesentliche, durch langsame Umwandlung des Kalkhydrats inCalciumcarbonat an der kohlendioxydhaltigen Luft, unter gleichzeitigerWasserabgabe. Der Sand dient dazu, die Bildung von Rissen zu ver-meiden, zu welchen erhärtender Kalkbrei in Folge starken Schwindensneigt; er erleichtert ausserdem dem Kohlcndioxyd den Zutritt, der in-dessen bei sehr dickem Mauerwerk oft nach Jahrhunderten noch nichtvollendet ist, wie man sich leicht an dem noch Vorhandensein wasser-löslichen, alkalisch reagirenden Kalkhydrats überzeugen kann. Dergewöhnliche Mörtel ist unter Wasser nicht verwendbar; als Wasser-mörtel werden geglühte, und dann zu staubförmigem Pulver zermah-lene Kalk-Thonerdesilicate oder thonhaltige Kalksteine benutzt,welche die noch nicht genügend aufgeklärte Eigenschaft haben, Wasserunter dauerndem Erhärten zu binden; es sind tbis die sogenanntenCemente. Amorphe Kieselsäure und Kalk erhärten mit Wasser unterBildung von Calciumsilicat; und anscheinend ist der Process beim Er-härten der Cemente ein ähnlicher. Den bei weitem wichtigsten „Port-landcement," welcher seinen Namen von der Aehnliohkeit seiner Farbemit der des Portlandsteins hat, kennt man erst seit 1824. Einen ganzvorzüglichen, widerstandsfähigen Mörtel liefert auch der magnesiahaltigegebrannte Dolomit (Trier'scher Kalk), der namentlich von den Römernzur Herstellung ihrer nahezu unverwüstlichen Bauwerke benutzt wurde.Calciumdioxyd, Ca0 3 , wird erhalten, indem man eine Lösungvon Wasserstoffsuperoxyd zu überschüssigem Kalkwasser hinzufügt. Esscheidet sich Calciumsuperoxydhydrat Ca0 2 -(- 8H g O in quadratischenTafeln ab, die in Wasser schwer löslich sind und an der Luft verwittern.
29*