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Anorganische Chemie
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Titan.

denen Methoden darstellbaren Dioxyd bekommt man ganz nach Belieben, je nach der ange-wandten Temperatur, die eine oder die andere der drei in der Natur auftretenden Formen.Beispielsweise erhält man durch schwaches Glühen des Titantetrachlorids oder Tetra-fluorids mit Wasserdampf kunstlichen An ata s, bei verstärkter Hitze (bis zu 1040°)Brookitkrystalle und beim heftigsten Glühen Rutil. In Säuren ist das Dioxydnicht löslich, ausgenommen die wässrige Flusssäure. Die natürlichen Titandioxyde schliesstman durch Schmelzen mit Kaliumbisulfat auf, löst in kaltem Wasser und kocht dieseLösung, wobei sich Titanoxydhydrat, als sehr schwache Base, ausscheidet. Man entferntetwa beigemengtes Zinndioxyd durch ammoniakalisches Schwefelammonium und hieraufdie in Eisensulfid und Mangansulfid übergeführten Metalle mit Salzsäure. Titantetra-chlorid, TiCl 4 , beim Glühen von Titandioxyd mit Kohle, im Chlorstrom, ist eine farb-lose Flüssigkeit vom specif. Gew. P7G und 0° und dem Siedep. 136'5°. An der Luftraucht es und löst sich in Wasser wie das Zinntetrachlorid unter starker Erwärmung;mit Ammoniak verbindet es sich zu Titanchloridammoniak, TiCl 4 .(NH 3 ) 4 . Titan-tetrabromid, TiBr 4 , Schmp. 39°; Sdp. 230°. Titantetrajodid, TiJ 4 , rothe Octaederoder Schuppen. Schmp. 1,')0°. Titant etrafluorid, TiFl 4 , sehr zersetzliche Oeltropfen;die Lösung des Titandioxyds in Flusssäure enthält TiFl 6 H 2 , Titanfluorwasserstoff,dem SiFl 6 H 2 entsprechend und mit diesem isomorphe Salze gebend. Titandioxyd-oder Titansäurehydrat, TiO,H 4 , fällt mit Ammoniak aus der salzsauron Lösung desTetrachlorids als weisses Pulver, das man an der Luft trocknet. Im Exsiccator erhältman TiO s H 2 . Beim Erhitzen gehen diese Hydrate unter plötzlichem Erglühen in Dioxydüber (s. o.). Von den Hydraten leiten sich die titansauren Salze oder Titanate ab; Kalium-titanat, Ti0 3 K 2 , gelbe krystallinische Masse entsteht beim Schmelzen des Dioxyds mitC0 3 K 2 , wird durch kaltes Wasser in ein saures Salz (Dikaliumorthotrititanat) und freiesAlkali zerlegt. Calcium titanat, Ti0 3 Ca, bildet den Perowskit (s. o.); andere Salzeentsprechen denPolytitansäuren" in ähnlicher Weise, wie die Silicate den Polykieselsäuren.Mit starken Säuren bilden die Titanoxydhydrato andererseits, als schwacho Basen, Salze,die meistens durch Wasser zerlegt werden; man kennt z. B. ein normales Titandisulfat,Ti(S0 4 ) 2 + 3H 2 0; ein basisches Titansulfat, TiO(S0 4 ); u. s. w.

3. Ti tan sesquioxyd, Ti 3 O s , erhält man durch Glühen des Dioxyds im Wasser-stoffstrom; seine gewöhnlich kupferrothen Krystalle sind isomorph mit Eisenglanz Fe 2 0 3 .Titansesquichlorid, 4-i 2 Cl 6 , aus Tetrachlorid mit Wasserstoff in glänzend violettenBlättchen; aus der wässrigen Lösung scheiden Alkalien das sich sofort oxydirende brauneSesquioxydhydrat ab. Dieser Verbindungsreiho entspricht auch ein TitansesquisulfatTi 2 (S0 4 ) 3 -f- 8H 2 0. Das Titaneisen ist aus dem Sesquioxyd des Titans und demjenigendes Eisens zusammengesetzt.

Die den drei Oxydationsstufen entsprechenden Sulfide Ti 2 S 2 , TiS 2 (goldgelbe luft-beständige Blättchen) und Ti 2 S 2 sind auf trockenem Wege darstellbar.

Mit Stickstoff verbindet sich das metallische Titan bei erhöhter Temperatur (800°)direct zu Stickstof f ti tan, Ti 2 N 2 . Wenn man Titandioxyd in trockenem Ammoniak-gas glüht, entsteht ein blaues metallglänzendes Pulver (TiN 2 ?); durch Erhitzen vonTitanchloridammoniak erhält man rothe metallglänzendo Blätter, Ti 3 N 4 , die früher fürmetallisches Titan gehalten wurden; u. s. w. Bei der Verarbeitung titanhaltigor Eisen-erze bildet sich im Hohofen das Stickst off cyantitan, Ti 6 CN 4 , in stark glänzenden,rothgelben Würfeln. Das im elektrischen Ofen neuerdings dargestellte Titancarbid,TiC, ist wie das analoge Siliciumcarbid (S. 105 u. 2G9J eine schön krystallinische, selbstgegen heisses Wasser beständige Substanz.

Die drei höheren Glieder der Titangrnppe: Zirconium-Cerium und Thorium haben durch ihre Verwendung für das Gas-gltihlicht (s. u.) wesentlich an Interesse gewonnen und konnten nament-lich die Oxyde der beiden letzteren bei steigendem Bedarf auch ent-sprechend leicht zugänglich efemacht werden.