Druckschrift 
Anorganische Chemie
Entstehung
Seite
257
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Siliciumwasserstoff.

257

Das beim Ausziehen mit Säuren zurückbleibende Silicium ist einlockeres, amorphes, dunkelbraunes Pulver, welches sich an der Luftentzünden lässt und dann unter Zusammenschmelzen mit glänzendemLichte theilweise zu Si() 3 verbrennt. Unter Luftabschluss stark ge-glüht, wird es dichter und weniger entzündlich, indem es wahrschein-lich in den krystallinischen Zustand übergeht.

Krystallisirtes oder diamantförmiges Silicium (Deville) erhältMan durch Erhitzen von Kieselfluorkalium mit Aluminium oder durchEintragen einer Mischung von 3 Thln. SiFl 0 Na 3 mit 4 Th. granulirtem^mk und 08 Th. Natrium in einen zum Glühen (nicht bis zum Siedendes Zinks) erhitzten hessischen Tiegel. Auch durch Reduction von<«iuarz vermittelst Holzkohle unter Zusatz von Kalk und Manganoxydul-??yd lässt sich im elektrischen Ofen krystallinisches Silicium gewinnen.^ a ch dem Ausziehen des Rückstandes mit C1H und mit F1H bleibt das^llcium, welches sich in dem geschmolzenen Aluminium oder Zinkgelost hatte und beim Erkalten auskrystallisirt war, in schwarzen glän-zenden Krystallblättern oder harten, aber spröden, regulären Octaedern,resp. Zwillingen derselben vom spec. Gew. 2'49 zurück. Beim Glühenan der Luft oder im Sauerstoff bleiben diese Krystalle unverändert,gehen dagegen in Kohlendioxydgas in Si0 3 über; sie lösen sich zwarnicht in Säuren, wohl aber in heisser conc. Natron- oder Kalilaugeunter Wasserstoffentwickelung auf. Beim Erhitzen in Chlorgas gehenS1 e in SiCL,, in Fluor schon in der Kälte in SiFl 4 über.

Siliciumwasserstoff, SiH 4 .

Dieses dem Methan analog zusammengesetzte Gas wird gewonnenuurch Auflösen einer Legirung von Silicium und Magnesium in ver-dünnter Salzsäure, indem man das Entwickelungsgefäss, um ExplosionenZu vermeiden, ganz mit ausgekochtem Wasser füllt und hierauf Salz-säure vom spec. Gew. 1-124 (welche in der Regel ein nicht selbstent-zündliches Gas liefert) zugibt:

SiMg 3 + 4C1H = SiH 4 + 2MgCl 2 .

Wie dem in ähnlicher Weise dargestellten Arsen- oder Antimon-Wasserstoff, ist dem SiH 4 unter diesen Umständen freier Wasserstoff bei-gemengt. Hat man Salzsäure von grösserer Concentration als der ange-gebenen verwendet, so verbrennt das entweichende Gasgemenge sofortan der Luft, ganz wie selbstentzündlicher Phosphorwasserstoff, mit glän-zender weisser Flamme zu ringförmigen Nebeln von Si0 2 :SüL + 20 3 = Si0 3 + 2H 3 0.

Wie mit Luft explodirt der Siliciumwasserstoff auch mit Chlorgas.

Reiner Siliciumwasserstoff lässt sich durch Erwärmen von Natrium°üt einer complicirten organischen Verbindung, dem Siliciumtriaethylat,bereiten

4SiH(O.C 3 H 5 ) 3 = 3Si(OC 3 H 5 ) 4 + SilL.

Das reine Gas ist an der Luft unter gewöhnlichem Druck nichtOlehr selbstentzündlich, sondern verbrennt erst beim Erwärmen, oderbeim Vermindern des Drucks (vgl. Phosphor und Sauerstoff), oder nach

Krafft, Anorganische Chemie, 3. Aufl. 17