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Einleitung.
liegende Temperatur, so geht es in festes rothes „Quecksilberoxyd"über, indem es sich allmählich mit dem Sauerstoff der Luft vereinigt;erwärmt man dieses rothe Quecksilberoxyd nunmehr auf etwa 500°, dannzerfällt es wieder in Quecksilber und Sauerstoff zurück. Auf diesemWege führte Priestley die zuerst bekannt gewordene Reindarstellungdes Sauerstoffs am 1. August 1774 aus. Die vorstehend erwähnterichtige Erkenntniss von der Rolle des Sauerstoffs bei Verbrennungs-processen, durch das Zusammenwirken der genannten sowie andererForscher um jene Zeit erlangt, bedeutet eine neue Entwickelungsphasefür die Chemie und die mit ihr verwandten Wissenschaften. Ist dochder Athmungsprocess, dem der thierische Organismus die so nothwen-dige fortwährende Wärmezufuhr verdankt, nichts anderes als eine inder Lunge stattfindende Verbrennung durch den Luftsauerstoff.
Welches aber auch die Art des chemischen Processes sein möge,stets bleibt bei demselben, wie man seit etwas mehr als einemJahrhundert weiss, das Gesammtgewicht der betheiligten Sub-stanzen dasselbe. Die Masse der letzteren erleidet durch chemischeUmwandlungen keinerlei Veränderung. Es reiht sich diese, die Er-haltung des Stoffes betreffende Wahrnehmung in augenscheinlichsterWeise an das Grundgesetz der Mechanik und Physik, das Gesetz vonder Erhaltung der Energie an.
Das „Gesetz von der Erhaltung des Stoffes" wurde schon im Alter-thum als bewiesene Wahrheit angesehen; für die Vorgänge, die sichin der Retorte des Chemikers abspielen, that es namentlich Lavoisierin überzeugender Weise mit der Hilfe der Wage dar. Aber auch für dieEntstehungs- und Zerstörungsprocesse der uns umgebenden Mineralien,der Pflanzen und der Thiere, finden wir überall den nämlichen Sach-verhalt. Die sorgfältigsten Untersuchungen der Neuzeit (Landolt 1893)haben den Satz, dass bei chemischen Erscheinungen die Gesammtmengedes betheiligten Stoffes unverändert erhalten bleibt, vollauf bestätigt undlassen ihn als Grundgesetz der Chemie erscheinen. Auch diejenigenUmsetzungen, die sich im grössten Maasstabe auf der Sonne vollziehen,ändern deren Masse nicht: denn ihre Anziehung auf die Planeten istwie die Astronomie lehrt seit Jahrhunderten dieselbe.
Die oben genannte Entdeckung des Sauerstoffs war indessen nichtdie einzige hervorragende ihrer Zeit, vielmehr wurde sie begleitet vonder Auffindung anderer, kaum minder wichtiger gasförmiger Körper;man nennt daher auch die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts,in welcher auf Grund solcher Entdeckungen die noch jetzt giltigen An-sichten in ihren Grundzügen aufgestellt werden konnten, das Zeitalterder pneumatischen Chemie (nvsSfia das Gas).
Das erste der deutlich charakterisirten und von der gewöhnlichenLuft dadurch unterschiedenen Gase war das Kohlendioxyd, von demder Schotte Black 1757 zeigte, dass dieses speeifisch schwere Gas,welches die Verbrennung nicht unterhält, sondern Flammen auslöschtund Thiere erstickt, sich mit Alkalien und mit Kalk zu festen Körpern,den kohlensauren Salzen verbindet.
Als eine gleichfalls eigenartige Luftart erkannte Cavendish 1766den beim Uebergiessen von Eisen oder Zink mit Schwefelsäure oder